Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Ein klerikaler Laienhebraist und Judengegner vor 1870
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 2)
- Language
- German
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f :Tr,i•s.: : ■■ . —117 — ■ . Lehramtes büßen mußte, in der mannigfaltigsten Betätigung politischer und verwandter Ansichten vor unsere Augen. Und derselbe Parlamentarier, der mit feurigstem Temperament den entscheidenden 19. Juli 1870 und den 21. Januar 1871 durch Absprengen einer voll genügenden Anzahl seiner bajuvarischen klerikal-„patriotischen" (so der offizielle Parteiname) Fraktionsbrüder den Anschluß Bayerns und damit Süddeutschlands an den Krieg Preußens mit Frankreich und dann an das eben begründete neue Deutsche Reich erzielte, bekundete sich auch, solange er klerikaler Parteimann war, als ausgesprochener .Judengegner Wir wollen sämtliche dahinzurechnende Aussprüche und Ausführungen dieses weit über die weißblauen Grenzpfähle seines Heimatlandes hinaus bekannt gewordenen Professor Dr. Sepp, die bei der Lektüre jenes seines wirklich von A bis Z spannenden Memoirenwerkes (Band 2 soll erst nach dem Frieden erscheinen) auffallen, an einander rechen. Sie bedürfen, obwohl aus dem Zusammenhänge der Debatte oder des Gedankenaustausches gerissen, in Ihrer Unzweideutig- und Grundsätzlichkeit kaum einer Erläuterung. Dabei verfahren wir genau nach der zeitlichen Reihenfolge und erkennen darin sehr bald, wie der Forschungsreisende und bibeltheologrsche Gelehrte im jungen Sepp (in den Jahren 1839 und 1844/45) noch gar nichts von einer Abneigung gegen Juden und Judentum weiß. So stützt sich denn Sepp (S. 44) bei seiner Berichtigung der christlichen Zeitrechnung für den Aufenthalt des Knaben Jesus in Aegypten auf das altrabbinische Nizzachon p. 34, bekämpft, ohne eine andere als rein sachliche Polemik, die Teilnahme Jesu am Purimfest „oder dem jüdischen Karneval, den Jesus zur Feier der persischen Bartholomäusnacht und der von den Juden an den Heiden vollbrachten Rache (Esther, 16) mitbegangen haben soll", noch entschiedener aber „die Annahme, Christus sei am Tage des Paschafestes gekreuzigt worden. Denn der Tag des Paschafestes war für die Juden ein streng gebotener Ruhetag und fiel im Todesjahr Jesu Christi obendrein mit dem Wochensabbat zusammen". „Zur Berechnung