Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Der Wille in der jüdischen Geschichte
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Diese Schattenseiten unserer Geschichte sollen nicht verhüllt und nicht bemäntelt werden.. Sie soll nicht schöner dargestellt werden, als sie ist. Im ganzen ist: aber doch, trotz aller widerstrebenden inneren und äußeren Mächte der Wille der Selbstbehauptung der mächtige geblieben. Das Dasein des Judentums, sein Bestand nach allem, was in seiner langen Geschichte von 4000 Jahren geschehen ist, redet da seine gewaltige Spräche. Auch die jüdische Geschichte ist zu gleicher Zeit das Kind des eigenen Willens und der äußeren Not. Aber keineswegs war das jüdische Volk allein getrieben, allein Ambos. Unsere Gemeinschaft ist auch eine lebendige Macht, die von innen heraus, aus ihrem Wesen, ihrer Seele, ihr Gesetz empfängt, die sich den äußeren Not-- Wendigkeiten beugt und dabei Loch unverbrüchlich ihre innere Bestimmung solange beibehält, als es der menschlichen Schwachheit eben möglich ist. So hat sie sich als das behauptet, was sie ist und was sie sein sollte. Wieste selber von der Welt die tiefsten Einwirkungen erfahren, hat, so hat sie auch umgekehrt auf sie den tiefsten Einfluß ausgeübt und ihre Spuren tief in die Geschichte eingegraben. Bei dem Rückblick auf diese lange Wanderung, die noch nicht abgeschlossen ist, erfüllt uns eine liefe- Bewunderung für die jüdische Art und für die bisherige Erfüllung der ihr gesetzten Aufgabe. Mit dieser Vergangenheit glauben wir auch ein gutes- Glied im Vaterlande geworden zu sein. Wir glauben daran, daß Wirtin unserer langen und wechselreichen Geschichte gerade die Eigenschaften erworben-» entwickelt und betätigt haben, deren die Völker bedürfen, um bestehen zu können: die Überzeugung, durch Gottes Willen: da zu sein und von ihm berufen, um eine Stelle im seinem Plane auszufüllen, die^ Treue, die an der einmal gefaßten Aufgabe festhält und^ sie zu lösen versucht, die Geduld, die inden langsam schleichenden Tagen nicht vergißt, daß Gott die Zeiten ändert, und die deshalb zn warten versteht, bis die Früchte am Baume der Zeit reifen. Das sind alles teuer errungene Erbgüter ausunserer jüdischen Vergangenheit und die Früchte unserer: