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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 79

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Der Weltkrieg und die biblische Kulturmission
Date
1918-01-01
Page
Seite 79 (sequence 24)
Language
German
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gegenüberstanden. Den erhabenen Gedanken Platos, -. Aristoteles oder der späteren Stoiker konnte nicht mehr legislativer Wert beigemessen werden, als den Anschauungen der Sophisten, die das Recht des 'Stärkeren ganz allein verteidigten und lehrten, daß Üppigkeit und Ungebundenheit Tugenden und Glückseligkeiten seien, daß ferner der Stärkere seine Gelüste nach Möglichkeit befriedigen sollte, daß dagegen ^Enthaltsamkeit eitler Tand wäre, da nur die Schwachen die Zügellosigkeit tadelten usw. Wir kennen auch römische Richter aus späterer Zeit, die in der wissenschaftlichen Theorie die edelsten Ansichten der Stoa verteidigten, in ihrer richterlichen Praxis jedoch die außerordentlich harten römischen Satzungen befolgten. Die religiösen Lehren der klassischen Völker hatten mit den Meinungen der Ethiker und Philosophen nichts gemein, da die Götter sich um all dieses nicht kümmerten. Prometheus, der griechische Genius der Menschheit, mußte, um die Menschen zu erlösen, nicht allein die Natur, sondern auch die Götter besiegen, um die Menschen von ihnen zu befreien, und nur dadurch erlöste er sie auch von dem blinden Schicksal und ermöglichte ihnen so die Heranreifung zur geistigen Selbständigkeit. Jener griechische Erlöser der Menschheit galt daher auch als ein Frevler an der Götterwelt. So konnte die außerbiblische Moral keinen volkserzieherischen Wert beanspruchen, da sie ohne religiöse Unterlage war. Sie vermochte daher nur an das ehtische Empfinden des Einzelnen zu appellieren, nicht ober an die Volksgesamtheit, an die man nur mit heiligen Normen, mit unerbittlichen religiösen Pflichten erfolgreich herantreten kann. Nur die Bibel, deren Gebote unter Donner und Blitz verkündet wurden und deren strenge Beobachtung unter Androhung der furchtbarsten Strafen gefordert wird, nur die Bibel, deren Moral gleichsam Religion ist, und die. den Menschen nur auf dem Wege der Tugend Gott näher bringt, — nur diese Bibel vermochte es, die Menschheit moralisch zu erziehen und ihre ethische Entwickelung zu fördern. Nur dadurch erklärt es sich, daß die klassischen Völker zur selben Zeit, da Denker wie Seneka, Epiktet und der Philosoph

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