Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 11)
- Language
- German
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von F. Philippi beleuchtet. Von F. Webers „Jüdische Theologie aus Grund des Talmud und verwandter Schriften" liegt die 2. Auflage vor. Der Bekämpfung des Materialismus widmete H. Cohn das populäre Büchlein: „Wisse, was du dem Gottesleugner antworten sollst". Zum Schluß möchte ich noch eine kleine, aber bedeutsame Streitschrift erwähnen, die als ein erfreuliches Zeichen der Zeit gelten darf: W. Rathenau, „Eine Streitschrift vom Glauben". Wenn man diese, anziehende Schrift zur Verteidigung des Judentums liest, drängt sich einem unwillkürlich der, Gedanke auf: Welche unverwüstliche Lebenskraft muß doch dem Judentum innewohnen, daß ein Mann wie Rathenau, dessen Erziehung und geistiger Entwicklungsgang so wenig in Beziehung zur jüdischen Weltanschauung stehen, doch derart begeistert und überzeugend vom Wert der jüdischen Religion sprechen kann. Andererseits aber wird man es bedauern, daß dieser geistvolle und feingebildete Schriftsteller nicht mehr Vertrautheit mit dem jüdischen Schrifttum besitzt, * um in seiner ästhetisch vornehmen Weise das Judentum nach jeder Richtung hin gegen Verkleinerung und Herabsetzung von außen und von innen zu verteidigen. Rathenau verstand es vortrefflich, den einen Vorzug des Judentums hervorzuheben — seine dogmatische Un- . gebundenheit, die völlige Gewissens- und Denkfreiheit, die es seinen Bekennern gewährt. Aber das Judentum beruht auf drei Grundpfeilern, und diese sind: Gewissensfreiheit, Fortschritt und Wissen. Den Wert des geistigen Fortschritts und der freien unbeschränkten Forschung, des. Strebens nachWahrheit, d. h. nach innerer Wahrhaftigkeit, haben die Lehrer des Judentums von den frühesten Zeiten an erkannt und als Postulate des Judentums hingestellt und verteidigt. Es wäre zu wünschen, daß Rathenau sich dem Studium des Judentums zuwendete, um es in seinem vollen Inhalt zu erfassen. Er würde dann finden, daß. das, was er als Lehre der Evangelien bezeichnet, auf deren Boden zu stehen er sich bekennt, ureigenes jüdisches Gut ist, das die Propheten und ihre Nachfolger, die Schöpfer der Agada, zu allen Zeiten gepflegt und gefördert