Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5677
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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- 10 -» ‘ .. in denen die Juden infolge mannigfacher Anfeindungen von außen und infolge starker innerer Abneigung gegen jede Abkehr von der alten Ueberlieferung, von der polnischen Bevölkerung abgesondert, eine eigene nationale Gruppe bilden, erfordern die Verhältnisse der jüdischen Einwohner eine eigene, von der allgemeinen Verwaltung gesonderte Behandlung. Zu Referenten für die jüdischen Angelegenheiten wurden da jüdische Beamte und Offiziere bestimmt, die für ihre dortigen Glaubensgenossen das rechte Verständnis, ein warmes Herz haben und das eifrige Bestreben, den hartbedrängten Menschen nach Kräften beizustehen. ' Wie sich die Rechtsverhältnisse und die wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden im neugeschaffenen und wiederaufgerichteten, auch mit dem Blute so vieler Juden gekitteten Königreiche Polen gestalten werden, das bleibt abzuwarten, aber nicht ohne einige Besorgnis abzuwarten. Bei Ausbruch des Krieges waren die Beziehungen zwischen Polen und Juden die denkbar schlechtesten. Juden-Boykott, Verhetzung und leidenschaftliche Anfeindung auf der ganzen Linie! Innerhalb der Okkupationszeit wurden die Beziehungen nicht viel besser. Im Gemeinderat wie im Staatsrat waren die Antisemiten erfinderisch in neuen Methoden der Judenbedrückung und eifrig in der Anwendung dieser Methoden. Das besonders Betrübende dabei ist, daß die Juden selbst in Polen nicht einig sind, daß sie in vielerlei Parteien und Gruppen zerfallen, die sich untereinander leidenschaftlich befehden. Die neu gegründete deutsch-polnische Vereinigung wird sicherlich, in Zukunft auch der Frage der Juden-Behandlung in Polen ihre Aufmerksamkeit zuwenden, ganz besonders aber wird man von dem hoffentlich nun bald zusammentretenden Friedens-Kongreß eine gründliche Behandlung der Juden-Angelegenheiten, sowohl in Polen wie in Rumänien, zu erwarten haben. Nur mögen die üblen Erfahrungen, die der Berliner Kongreß von 1878 mit Rumänien in Betreff der Judenfrage gemacht hat, als gute, wohl zu beherzigende Lehre dienen! Damals haben die rumänischen Machthaber, gegen das Widerstreben des