Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5677
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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.«Stellung als Reichs-Getreidekommissar im Parlament mit -Eifer und Geschick der angegriffenen Juden sich angenockimen. Die gleiche Gerechtigkeit und Sachlichkeit haben wir auch Dom neuen Kanzler zu erwarten. Wurzelt er doch in der Zentrums-Ueberlieferung der Kulturkampfzeit und der Aera Windthorst. Mit um so größerem Eifer ist die nicht so sehr große wie lärmende Antisemiten-Truppe beflissen, den Haß gegen die Juden jetzt schon zu schüren und vergiftete Waffen an- .zuhäufen zum Krieg nach dem Kriege. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Schwerindustrie — was in der Natur und Unnatur der Kriegsverhältnisse' Liegt — im Kriege viele, viele Millionen verdient. Es ist ebenso klar, d'atz die Agrarier bei der ungeheueren Vervielfachung der Preise. für ihre Erzeugnisse sich. bereichern, was ihnen, bei den mancherlei Schwierigkeiten, mit denen sie dabei doch auch zu kämpfen haben, doppelt gegönnt sei. Die von den Mitteln der Schwerindustrie wie der Agrarier gespeisten alldeutschen Blätter aber wiederholen unausgesetzt die Litanei, daß die Juden die Kriegsgewinner sind. Nun sind ganz gewiß auch Juden unter den Kriegsgewinnern, sicherlich sogar unter den Kriegswucherern. Es wird schwerlich irgend eine Konfession ein Vorrecht auf den Kriegswucher für sich allein in Anspruch nehmen wollen. Aber nicht, weil einer sondern trotzdem einer Jude, Katholik oder Protestant ist, treibt er Lebensmittelwucher, unter der Mißbilligung, unter der heftigsten Verurteilung seiner Glaubensgenossen. Immerhin dürfen die Juden mit aller Beruhigung dem unausbleiblichen Krieg nach dem Kriege entgegensetzen, und wenn sich noch so viele Antisemiten, Alldeutsche und sonstige Gegner wider sie verschwören sollten. Wie sagt doch Sophokles im Oedipus: „Der Schwache schlägt den Starken auch, hilft ihm das Recht." Und zur Verteidigung unseres Rechts besitzen wir eine gar tapfere Garde in unserem „Centrälverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens." Ist ihm auch sein treubewährter Führer und Anführer, der treffliche Justizrat vr. Maximilian Horwitz, entrissen worden — er starb wenige Wochen nachdem sein