Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5677
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Moralischen Nachteil und zur schwersten Verletzung des Judentums. Es war dies die vom Kriegsministerium ,«ngeordnete Judenzählung im Heere. Die viel mißbrauchte Statistik mußte sich da zu einem Werke hergeben, an dem sie wenig Freude und von dem sie wenig Ruhm zu erwarten hatte. Als in den ersten Tagen des August.1914 die deutsche Jugend zu den Fahnen eilte, da waren die deutschen Juden unter den ersten und eifrigsten Kriegsfreiwilligen. Aus den Geschäftskontoren, aus den Hochschulen, von den Bänken der oberen Gymnafiälklassen stürmten sie zu Len Waffen.. Einzelne jüdische Studenten- und sonstige Jugendvereine sahen drei Viertel ihrer Mitgliedschaft und mehr zu den Waffen stürzen und in den Blutströmen der -ersten, der verheerendsten Schlachten, da floß Las jüdische und das christliche Blut in gleich heißem Rot zusammen — eine erschütternde Verbrüderung. War vorher int preußischen Heer, kein einziger aktiver Offizier jüdischen Glaubens vorhanden, so-erzeugte die -unwiderleglich bewährte Tüchtigkeit und Tapferkeit im schwersten Dienst bald Vielhunderte und aberhunderte von jüdischen Offizieren, denen man wahrlich nicht aus Ueberschuß an Gunst die Beförderung zuteil werden ließ, denn -allüberall gilt bei uns dieselbe Regel, gegen die wir uns gewiß nicht auflehnen, da sie als Ansporn ihre gute Wirkung tut, die Regel: daß der Jude'in jedem Amt -erheblich mehr leisten muß, um mit dem nichtjüdischen Mitbewerber im Aufftieg Schritt zu halten. Dazu klang in den ersten Tagen das große und erhebende Kaiserwort aus dem Berliner Schlosse in die Welt hinaus: „Ich benne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche". And in diese Stimmung hinein kam überfröstelnd, ernüchternd die Kunde von der angeordneten Judenzählung im Heere. In die Schützengräben, in die todumdräuten Reihen der Kämpfer draußen wurde die entfremdende Glaubens- und sogenannte „Rassen"-Frage geworfen, tvurde die aus Verdächtigung und Mißtrauen geborene Untersuchung nach dem Anteil des Judentums an der Blutsteuer getragen. Und warum das alles? Weil i*