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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 207

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Mirele
Date
1917-01-01
Page
Seite 207 (sequence 37)
Language
German
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IRI
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207 Willkür der herrschenden Klassen preisgab. Zu rechter Zeit noch war der Vater verständigt und es gelang ihm, den Sohn nach Czenstochau zu befördern, wo er im Keller Lei einem mit Geld willfährig gemachten Grenzgendarm versteckt gehalten wurde, bis seine Weiterbeförderung möglich war. Das schloß jeden Verdacht aus. Beer Wolfs reiste erst am nächsten Mittag ab, nachdem er am Vormittag noch überall gesehen worden, sowohl bei seiner Bank als bei seinem Rechtsanwalt. Auch war er verschiedenen Bekannten, darunter hohen Beamten im Sächsischen Garten und auf der Straße begegnet. Ganz wie immer, harmlos, heiter, ahnungslos. Ebenso zeigten sich seine Frau und Töchter nachmittags bei der Korsosahrt in den Lazienki, wo sie im eleganten Wagen, dem bekannten prachtvollen Gespann des Vaters, wie alltäglich spazieren fuhren. Lachend, plaudernd, die Freunde begrüßend. Innerlich in banger Herzensnot. ob die Flucht des Sohnes und Bruders gelingen würde. Mutter und Schwestern wußten darum, sie waren heimlich den Bestrebungen der Partei, zu der Stanislaus gehörte, nicht abgeneigt. Und während so nach außen sich alles in gewohnter Lebenshaltung vollzog, war der Vater bereits unterwegs, um die Grenzüberschreitung des Sohnes zu überwachen. Gegen Abend langte er dann im „Ahnenschloß" an. Überall unterwegs hatte man ihn allein fahrend, in einem Coups erster Klaffe gesehen. An der Bahnstation sprach er lange mit dem Stationsvorsteher und den Ingenieuren vom Bahnbau, von denen er einige aus geschäftlichem Verkehr kannte. Er war von den gleichen weltmännischen Umgangsformen wie sonst, warf gesprächsweise hin, daß er seinem Vater, wie alljährlich vor „Roschhaschana" einen Besuch abstatten wolle, was die christlichen Herren, die Pietät der Judengebräuche kennend, verstanden. Dann fuhr er auf einem ländlichen Wägelchen, das der Stationsvorsteher ihm verschaffte, nach freundlichem Abschied davon. Den Grafen Botho von Räuden, der angeblich an einer Strecke weiter oben noch eine Besichtigung hatte, mitnehmend. Sein Alibi war völlig hergestellt. Auch im Vaterhause, wo

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