Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Jüdische Kriegsgedanken
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Frieden. Wie die Deutschen sich in diesen zwei Jahren als die Lehrmeister der Welt in allen Kriegs- und Friedenskünsten erwiesen haben, wie jedes Volk, Freund und Feind, dasjenige von ihnen lernt, was es gerade nötig hat, so sollen auch wir als Juden vop ihnen lernen. Vor allem rechtzeitig Vorsorgen, wachsam sein, sich nicht überraschen lassen und im Krieg den Frieden nicht vergessen. Wie die Deutschen ihre geistige Veredelung an die Spitze aller ihrer Friedensvorsorge stellen, weil sie dieselbe als Quelle aller äußeren Kultur und jedes Fortschrittes erkennen, so ist auch für uns Juden gerade jetzt der günstige Moment erschienen, uns innerlich zu sammeln um unserer Selbsterhaltung willen. Wir müssen einig sein in der Erkenntnis, daß sich nicht wie bisher der eine Teil vom anderen abschließen darf, das Gefühl der Verantwortlichkeit muß alle gleichmäßig durchdringen, der Verantwortlichkeit für das Schicksal unserer verfolgten Brüder, für die körperliche und geistige Hebung des erlösten Teiles derselben, für die Erhaltung unserer Eigenart im Familienleben und im Gemeindeleben, für das Hochhalten unserer Wissenschaft, für die Kenntnis unserer heiligen Urkunden und unserer literarischen Schätze und vor allem für die Vertiefung unserer Religiosität. Der Feind soll uns einig finden in diesen Hauptpunkten, dann sind wir gerüstet. Denn wenn der Frieden kommt, hört der Burgfrieden auf. Die Parteileidenschaft wird um so heftiger losbrechen, je länger sie Niedergehalten war. Die Feinde werden uns nicht schonen, wenn auch Tausende von unseren Brüdern und Söhnen fürs Vaterland gekämpft, gelitten, geblutet haben und gefallen sind. Aber die Feinde werden - uns nichts anhaben können, wenn wir nur selber treu zu uns stehen, wenn wir einig und geschlossen ihnen gegenübertreten und als aufrechte Juden unsere Schuldigkeit tun. Wie bisher werden wir unser Vaterland nur um so mehr lieben, nur um so mehr für dasselbe leben, arbeiten