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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 49

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Judentum und Griechentum
Date
1917-01-01
Page
Seite 49 (sequence 9)
Language
German
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— 49 — Erzählungen der Bibel, ihre Gestalten und Gesetze in ihrem „tieferen Sinn", nicht nach dem Buchstaben, sondern als Allegorie auffassen, und man wird in den Erzählungen der Bibel philosophische Gedanken finden, in den Persönlichkeiten der heiligen Schrift griechische Philosophen und in den Gesetzen der Tora sittliche Forderungen, die in höchstem Maße philosophisch sind. Wie unter der Hand Philos die Gestalten der Bibel in griechische Philosophen sich verwandeln, so wird in seinem Denken der lebendige Gott des Judentums zu einem philosophischen Begriff. Unphilosophisch erscheint Philo die Vorstellung, daß Gott selber zu den Menschen herabgestiegen sei und sich ihnen offenbart und die Welt etwa wie ein Mensch erschaffen habe. Dazu gibt es Mittelwesen, die bei Moses Engel, bei den Griechen Dämonen und bei den Stoikern Ideen heißen; Philo nennt sie Logoi (Worte). Das höchste dieser Mittelwesen, der Logos (Wort), ist der Stellvertreter Gottes; von ihm hat Gott die Welt erschaffen lassen, und ihn hat er zu den Menschen gesandt. In neuerer Zeit wurde versucht, das Gedankengebilde des Logos aus dem Judentum zu erklären. Allein das ist falsch. Das Gedankengebilde des Logos nahm Philo aus der griechischen Philosophie, und indem er zwischen Gott und die Welt einen Mittler hineinstellte, fing er an, von der Einheit und Reinheit des jüdischen Gottesglaubens sich zu entfernen. 'Philo wollte Religion und Philosophie, Judentum und Griechentum, versöhnen und verwickelte sich in Widersprüche. Er „hinkte auf beiden Knien." Die vollkommene Versöhnung ist ihm nicht gelungen. Durch das Zusammentreffen zwischen Judentum und Griechentum in Alexandrien entstanden die griechische Bibelübersetzung, der Antisemitismus, die Apologetik und die Religionsphilosophie mit ihrer allegorischen Bibelerklärung und dem Glauben an den Mittler. Das Judentum hat bei den Griechen eine neue und reiche Kultur kennen und bewundern gelernt und ihnen dafür seine Bibel gegeben. Der Antisemitismus hat ihm geschadet, und die Religionsphilosophie hat nicht ihm, sondern dem jungen Christentum 4

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