Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 21)
- Language
- German
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— 37 « Unter dem Titel „Treue" ist von L. Herrmann im Aufträge der Zionistischen Vereinigung in Deutschlands -eine Sammelschrift von hübschen Aufsätzen und kleinen' Erzählungen aus der Feder der bekanntesten und beliebtesten jüdischen Autoren herausgegeben Und zum letzten Peßachfest den jüdischen Soldaten ins Feld geschickt worden. Das Buch zeichnet sich auch durch feine schöne Ausstattung aus und gehört zu dem Besten dieser Literaturgattung. Auch über den Krieg hinaus behält es seinen Wert. * ■ / * * Unter den literarischen Erzeugnissen des letzten Jahres ragt besonders die Kriegsliteratur hervor. Ich wollte hinzufügen: leider, aber wenn je, ist hier die Lehre Spinozas angebracht, daß man sich über die Erscheinungen weder freuen noch betrüben, sondern sie .zu verstehen suchen soll. Und so möchte ich auch nicht einmal mein Bedauern darüber ausdrücken, daß neben manchem Lesbaren und Beachtenswerten ein Wust von Aufdringlichkeiten zum Vorschein gekommBi ist. , In solchen Zeiten hält sich jeder für berufen, seine Stimme vernehmen zu lassen, und was noch trauriger ist: Mancher besitzt den moralischen Mut, an das große Feuer heranzutreten, das die menschliche Kultur zu vernichten droht, und dabei sein Töpfchen zu wärmen. Vielleicht kommt bald die Zeit, wo darüber mit voller Klarheit wird gesprochen werden können. Ein lesenswertes Kapitel aus der Bibelforschung enthält die Schrift von R. Kittel: „Das Alte Testament und unser Krieg". Sie umfaßt zwei Aufsätze: 1) Vom Kriege in Israel; 2)-Die Bedeutung des Alten Testaments für die Kriegsfrömmigkeit des deutschen Volkes. Es ist vorauszusetzen und jedenfalls zu wünschen, daß sich der Leser dabei immer vor Augen hält, daß die Bibel wohl auch vom Kriege spricht, und zwar in ihrer eigenartigen unvergänglichen Sprache, aber den Frieden lehrt. Dies war das Ideal der Propheten, das sie geschaut haben „für die späten Tagen".