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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 3

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Rückblick auf das Jahr 5676
Date
1917-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Die lange Dauer des Krieges hat manche häßliche Erscheinung im öffentlichen Leben zum Vorschein gebracht. Daß unter den Volkskrankheiten auch der Judenhaß sich wieder lauter meldet, wird niemand Wunder nehmen; die Antisemiten sind schon jetzt am Werke, für die Zeit nach dem Kriege den Boden vorzubereiten, bis in die Schützengräben hinein versuchen sie, ihre vergiftenden Schriften zu bringen, von der Agitation in der Heimat ganz zu schweigen. Es darf nicht unausgesprochen bleiben, daß in weitesten Kreisen ein Wiederausieben wildester antisemitischer Leidenschaften befürchtet wird. Demgegenüber muß auch auf die Bestrebungen einer geistigen Elite hingewiesen werden, welche dahin zielen, die Stimmung des 4. August 1914 dauernd in Kraft zu erhalten, die Schützengrabengemeinschaft auf das gesamte politische und soziale Leben auszudehnen. Naumanns Wort, daß nach dem Kriege mit allen gegenseitigen Verhetzungen Schluß gemacht werden muß, entspricht der Gesinnung und Absicht weiter führender Kreise, wie sie sich besonders in dem großen Sammelwerk „Vom innern Frieden des deutschen Volkes" ausdrückt. Die Frage ist nur, wie weit diese Absichten im Leben zur Durchführung gelangen werden Nach dem Worte des Reichskanzlers soll im Deutschen Reiche „Freie Bahn für jeden Tüchtigen" vorhanden sein, wir wollen der Hoffnung Ausdruck geben, daß nicht nur im Reiche, sondern auch in den Einzelstaaten alle Ressorts auch den Juden gegenüber diesen Grundsatz in die Tat umsetzen, was bisher leider nicht immer geschieht. Wie es auch nach dem Kriege kommen mag, so ist es von großer Bedeutung, daß die jüdischen Heeresangehörigen ihre Pflicht getan und sich im Dienste bewährt haben. Daß dies der Fall ist, beweist die fortgesetzt große Zahl der ihnen gewährten militärischen Auszeichnungen. Es sind bisher mindestens 600 Juden zu Offizieren befördert worden, darunter etwa ein Viertel in: bayerischen, die übrigen im preußischen Kontingent. Inhaber des Eisernen Kreuzes Erster Klasse werden weit ckber 60 und solche des Eisernen Kreuzes Zweiter oder i*

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