Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Herz Homberg in Galizien
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 26)
- Language
- German
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214 gierurig zum Spion, und so geriet Homberg in Verdacht der französischen Spionage und wurde in Wien scharf beobachtet. Wie aus einem Schreiben des Kaisers Franz an den Vizestatthalter von Galizien (Wien am 18. XI. 1806) zu ersehen ist, Pflog man lange Verhandlungen wegen feiner ״Ablieferung" nach Lemberg betreffs der weiteren Untersuchung seines Amtsmißbrauches als Inspektor. Man fürchtete, ״daß er als ein schlauer, gewandter und unternehmender Jude von Lemberg aus, besonders bei der gegenwärtigen Lage der Dinge, weit sicherer und nachteiliger gegen den Staat wirken könnte als zu Wien, wo er ohne Einfluß ist und ununterbrochen beobachtet werden kann/") Graf Wurms er antwortete am 1. XII. 1806,, daß er es auch für ratsamer finde, Homberg einstweilen in Wien zu belassen, da er in Galizien Menschen finden könnte, ״die teils seine Kreaturen sind, Werkzeuge zur Ausführung seiner Unternehmungen". Der Kaiser resolvierte auf demselben Bogen, wie folgt: ״Ich befehle der Polizeihofstelle unter einem, mit der Ablieferung des Herz Homberg nach Lemberg zwar für jetzt einzuhalten, selbe aber unfehlbar und ohne weitere Anfrage gleich damals zu bewerkstelligen, sobald die gegenwärtigen Umstände sich in Beziehung auf Galizien ändern. Wo sich sodann mit der Fortsetzung und Beendigung des Untersuchungsgeschäftes alles ernster zu beschäftigen sein wird. — Franz/") Die politischen Umstände hatten sich in Galizien nicht so schnell gebessert, polnische Legionen unter Rembielinskr und Fürst Joseph Poniatowski machten sich's in jenem Lande ganz bequem, und bald (1809) verlor Oesterreich ganz Westgalizien an das neue Herzogtum Warschau und ״das Tarnopoler Land" an Rußland. Homberg kehrte nicht mehr nach Galizien zurück, ״die deutsch-jüdischen Schulen wurden schon mit dem allerhöchsten Erlaß vom 26. Juni 1806 gänzlich 0 Statthaltereiarchiv inLbg. Geheimaita {<$ G) J. 1806 Nr. 184. 2) Ibidem Nr. 516.