Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Herz Homberg in Galizien
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 1)
- Language
- German
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Herz Homberg in Galizien. Historische Studie von Pros. Di׳. Maser Balaban (Lemberg). Einleitung. Sm Jahre 1772 wurde Polen zum ersten Male geteilt, und einzelne Landstriche und Provinzen dieses alten Königreiches fielen den drei alliierten Mächten anheim. Politisch wurden diese Provinzen Teile neuer, ganz anders gearteter Staaten, in der Wirklichkeit aber dauerte es fehl׳ lange, bis diese Staaten ihre neuen Gebiete in Ordnung brachten, d. i. ihrem Staatssystem amalgamierten. Polen ׳war bis zu seiner endgültigen Auslösung ein Ständestaat; Adel und Städte befehdeten sich gegenseitig, und die Juden standen zwischen ihnen und führten in ihren Ghetti ein düsteres, unglückliches Leben. Die jüdischen Gemeinden waren über Hals und Kopf an Kirchen und Klöster verschuldet. Unzählige Pogrome, die man hier Schülergeläuf nannte, Ritualmordprozesse und-die ihnen folgenden Autodafes brachten die Finanzen der Gemeinden ins Schwanken, trotz der vielen und häufigen Moratorien, die von den Königen bewilligt wurden. Die Frankistenbewegung mit ihren Religionsgesprächen in Kamienies und Lemberg (1756 und 1759), ihrer Massentaufe, Talmud- Verbrennung und den Ritualmordprozessen in Przemysl und Wojslawice setzte dem Unglück der Juden die Krone auf. Im Jahre 1764 wurde der große Judenreichstag (irrtümlich Vierländersynode genannt) mit allen Landtagen und Landsmannschaften aufgelöst, und ihre Schulden, die sich