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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 184

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Dr. Max Schönfeldt
Date
1916-01-01
Page
Seite 184 (sequence 20)
Language
German
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184 Welch tiefblickendem Verständnis der Volksseele und ihrer Bedürfnisse gerade diese Befürwortung zeugte. Vergegenwärtigt man sich im Vergleich hierzu den wohlgefügten Bau der jüdischen Gemeinden in Deutschland, die auf dem rocher de bronce der staatlichen Legalität so fest stabilisiert sind, mit ihren mustergültigen Einrichtungen, in deren Verwaltung sich so viele Gemeindemitglieder mit freudigem Stolze betätigen, so wird man sich der Teilnahme nicht entschlagen können für diejenigen, die von gleichem Kulturverlangen erfüllt, das Projekt einer noch so lockeren Organisation, .das Surrogat, das Schattenbild einer Gemeindeverfassung an dem Widerstand aus der eigenen Mitte zu Grunde gehen sahen. Aber die Notstände, unter denen die jüdische Bevölkerung seines Wohnortes zu leiden hatte, betrachtete Schönseldt nur als einen Ausschnitt des circiüus vitiosns, in den das Leben der russischen Judenheit eingespannt ist. Darum war ihm die Sache des russischen Liberalismus, so sehr sie ihm als Forderung politischer Sittlichkeit galt, doch ebensosehr die Sache der Gesundung und Befreiung der russischen Judenheit. Fern von jedem kritiklosen Optimismus in Bezug auf die baldige Erreichung der Rechtsgleichheit, förderte er mit Beharrlichkeit alle Bestrebungen, die sich auf die bürgerliche Verbesserung der Juden, vor allem aus die Beseitigung des Wohnzwanges, richteten. Freudig begrüßte er jeden Versuch, die russische Judenheit zu einer höheren Art von politischem Selbstbewußtsein zu entwickeln. So folgte er, zusammen mit einigen anderen Rigaischen Delegierten. 1909 der Einladung zu einer allgemeinen behördlich gebilligten russisch-jüdischen Tagung nach Kowno. Nach langen Zeitläuften bot dieser sogenannte „Kownoer Kongreß" zum ersten Male wieder den erhebenden Anblick einer Vereinigung von Vertretern der Judenschast fast aller größeren russischen Gemeinden. Und ein Hochgefühl. eine Begeisterung erfüllte die Versammlung, die trotz der düsteren Atmosphäre sich der enthusiastischen

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