Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Dr. Max Schönfeldt
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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- Riga 1× ep/1000826
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183 heit, abgetrennt von den allgemeinen staatsbürgerlichen und zugleich demokratisch-liberalen Bestrebungen, grundsätzlich abhold. Daher lehnte er sowohl den Zionismus, sobald er mehr bedeuten will, als eine Hilfsaktion zu Gunsten politisch und sozial Bedrängter, auss Entschiedenste ab, wie die s. Z. in Rußland immer mehr sich ausbreitende jüdisch-nationalistische Bewegung. Beide betrachtete er als unvereinbar mit einer wahrhaft liberalen, wie wahrhaft jüdischen Gesinnung. Aus seiner politischen Erfahrung erwuchs ihm auch die.Einsicht, wie notwendig es sei, die Gemeindefunktionen, die' wie oben erwähnt, in Riga in der Not der Zeit auf zahlreiche Spezialvereine übergegangen waren, mindestens durch eine einheitliche Beratungs-Körperschaft zu ergänzen. Mit der ihm eigenen Entschiedenheit beteiligte er sich an der Abfassung eines Entwurfes für eine quasi Gemeindeordnung, wie sie ähnlich in einigen anderen russischen Städten unter Gutheißung der Behörden funktioniert. Es sollte versucht werden, aus allenSynagogen- und Vereinsvorständen Delegierte wählen zu lassen und so ein ständiges Kollegium-zu bilden, das dem Magistrat in jüdischen Gemeindeangelegenheiten Anträge unterbreiten und Vorarbeiten für das Budget einreichen könnte. Unter anderm sollte es Aufgabe dieses Beirats sein, die einzige zur Zeit bestehende jüdische Gemeindesteuer, die so vielfach gemißbilligte Besteuerung des Koscherfteisches, welche hauptsächlich die ärmere Bevölkerung trifft, durch Einführung einer freiwilligen Einkommensteuer zu ergänzen. Allein 'dieses Projekt scheiterte an dem Widerstand der entscheidenden jüdischen Faktoren, die sich nicht entschließen konnten, sich einer selbstgewählten Autorität zu unterwerfen. Umsonst setzte sich Schönfeldt mit dem ganzen prophetischen Zornesfeuer seines Gemütes dafür ein. Im Besonderen erregte sein kräftiges Eintreten für die in dem Entwurf vorgesehene Berücksichtigung der jüdischen Kultusinteressen den Unwillen der radikalen Elemente, die nicht einzusehen vermochten, von