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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 181

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Dr. Max Schönfeldt
Date
1916-01-01
Page
Seite 181 (sequence 17)
Language
German
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181 Pflichtopfer und es beglückte ihn, gerade als Jude ein solches freiwilliges Zeugnis bürgerlicher Pflichterfüllung abzulegen. „Ich tue das", so äußerte er sich einmal, „ohne jede Aussicht auf dereinstige bürgerliche Anerkennung. Ich tue es in einem Lande, wo ich weniger Rechte besitze, als mein Pförtner oder mein Stallknecht, — wo ich eine Anstalt von über 100 Seelen leite und nicht das kleinste Amt der städtischen Selbstverwaltung bekleiden kann, wo ich nicht einmal meine Kinder selbstverständlich ins Gymnasium bringen kann." Die in Berufs- und Wohlsahrtsarbeit gewonnenen Einsichten wirkten auch befruchtend auf Schönfeldts politische Tätigkeit. Aus reifer Ueberzeugung. schloß er sich der russischen Bewegung von 1905 an, obwohl durch Muttersprache und Bildungsgang der deutschen Kultur zugehörig. Denn das Leben hatte ihn in vielfache Berührung mit russischen Kreisen gebracht und mehr und mehr hatte er den idealen Schwung der russischen liberalen Gesellschaft, wie die neidlose Kindlichkeit des russischen Volksgemüts — beides ihm wesensverwandte Züge — erkennen und lieben gelernt. In den Reihen der russischen Intelligenz standen die begeisterten Vorkämpfer für das Ideal des liberalen Rechtsstaates, das auch sein politisches- Ideal war, während die deutschbaltischen Kreise, darunter auch zu Schönfeldts Schmerz viele seiner Jugendgenossen, von streng konservativen Anschauungen erfüllt, unwillig abseits standen. Auch zu lettischen politischen Kreisen trat Schönfeldt damals in Beziehung. Hatten doch die Letten sich mit dem Jugendeifer eines jüngst zum Selbstbewußtsein erwachten Volkstums der allgemeinen politischen Bewegung hingegeben. Da galt es, mit denjenigen Gruppen Fühlung zu nehmen, ' die sich zu einer konstitutionell-demokratischen Richtung bekannten. So betrieb Schönfeldt um 1905 und auch späterhin eine ausgebreitete, überaus energische politische Propaganda. Er stand seinen Mann in jener bewegten Zeit, wo die großen gesellschaftlichen Gruppen zu gewichtigen Beratungen zusammentraten. Ebenso wie er in Petersburg und Wilna an den Tagungen der jüdischen

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