Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Sprache der Ostjuden
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Sprache der Ostjuden. Von Dr. Felix Goldmann-Oppeln. man im Alltagsleben als „deutsche Sprache" bezeichnet, ist keineswegs ein einheitliches Gebilde. Denn zeitlich wie räumlich teilt sich unsere Muttersprache in außerordentlich viele Zweige. Schon auf dem engbegrenzten Boden des deutschen Vaterlandes ist die Entwickelung eine recht verschiedenartige gewesen. Die drei großen Teile Oberdeutsch, Mitteldeutsch, zusammen meist Hochdeutsch genannt, und Niederdeutsch, die wesentlich von einander abweichen, haben eine sehr interessante Geschichte durchlaufen, und auch sie teilen sich wieder in eine ganze Anzahl von Dialekten, deren jeder seine eigene Entwickelung durchgemacht und oft auch eine eigene Literaturhervorgebracht hat. Von einer Normalsprache, welche als das eigentliche Deutsche gelten kann, ist gar keine Rede. Auch das heutige Schriftdeutschs ist nur ein Dialekt unter vielen anderen; sprachlich ein Ausgleich zwischen der obersächsischen, also mitteldeutschen, und der österreichischen, also oberdeutschen Mundart, welcher in den Schreiben der kaiserlichen Hauptkanzlei zu Prag und der kursächsischen Kanzlei üblich wurde. Vornehmlich durch Luthers Bibelübersetzung ist freilich dieser Dialekt vorherrschend und also gewissermaßen d i e deutsche Sprache geworden. So besteht natürlich ein großer Unterschied zwischen den verschiedenen Teilen des Deutschen, und ohne ein