Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Briefe Alexander von Humboldts an Dr. Robert Remak 1839 bis 1855
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 19)
- Language
- German
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130 13. Humboldt an Remak: Ich danke Ihnen, mein teurer Remak, für Ihre freimütigen Mitteilungen. Wie dürfte je bei Ihnen der Verdacht entstehen, der Wunsch Ihnen nützlich zu werden und Ihnen eine Ihr Gemüt beruhigende Stellung zu verschaffen, könnte durch die ungerechte Forderung erkalten, daß Sie vorziehen etwas nicht zu tun, was mir anfangs das einfach Nützlichere zu sein schien. Ich weiß die inneren Gefühle und abweichenden Ansichten derer, die ich so sehr achte wie Sie, besser zu ehren und erlaube mir nie das Recht die individuelle Freiheit zu beschränken. Ich freue mich zu hören, daß mein edler Freund, Geheimrat Müller, nun auch Ihren letzten Schritt gebilligt hat. Eine höhere Weihe können Ihre schönen Arbeiten nie haben als das Wohlwollen eines Mannes, der mit seiner geistigen und wissenschaftlichen Größe die edelsten menschlichen Gefühle verbindet. Ihre letzte Antwort an den Minister Eichhorn, 20. Juni, fällt in eine Zeit, wo die Verhältnisse mit den Ständen in Sachen des Judenedikts und der Periodizität hier in Berlin zu vielen Reizungen und Oszillationen Anlaß geben. Solche heiße Tage sind eben nicht günstig für Erwägungen, die etwas individuell Entscheidendes Hervorrufen sollen. Da aber, mein teurer Remak, Ihre letzte Antwort nun einmal abgegangen ist, so werde (ich verspreche es Ihnen feierlichst) gewiß in den nächsten Tagen persönlich beim Minister Eichhorn durchdringen und ganz in dem Sinne Ihrer Wünsche negoziieren. Herrn Geheimrat Schönlein werde ich von Ihren gestrigen Mitteilungen und den Schritten, die ich tun will, wenn er mir nicht eine dringende Veranlassung gibt, nichts sagen. Ich kann gar nicht wünschen, eine neue und ganz unnütze Komplikation herbeizuführen. Eine frühere Trennung von ihm, ehe Ihre Verhältnisse sich unabhängig gestalten, könnte Ihnen nur schaden. An den Minister Eichhorn werde ich nicht schreiben. Alles Dogmatisieren über erworbene Rechte führt nur von dem Zwecke ab. Ich. bedaure, daß Sie gestern von Ihrem mir so freundlichst zugedachten Besuche auf den Tag des Militärfestes im Neuen Palais gefallen waren.