Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 7)
- Language
- German
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— 93 — mit der Außenwelt muß eingeschränkt werden, seinem Berufe kann man unmöglich die nötige Aufmerksamkeit schenken, hierzu der Ausspruch: wenig sollst du dem Geschäfte obliegen, viel der Thora (Abot 4, 10), denn die Werke der Thora üben ihren wohltätigen Einfluß nur bei dem, der den Mut hat Armut zu ertragen (Sota 21 b). Man schränke sich ein in den Lebensgenüssen, führe den Schlaf auf ein Mindestmaß zurück, sitze in voller Ergebenheit zu den Füßen des Lehrers. Daher der Ausspruch: ״Wenn du dich demütigst des Wortes der Thora wegen״ dir Zurechtweisung von Seiten der Lehrer gefallen lassest, wirst du erhöht" (Abot 6, 4, Berach. 63b). Die Thora soll dir nicht als etwas gelten, das dir von Außen zufliegt und du im Spiele erwirbst. So dachte König. David. Er sprach: Gesänge sind mir deine Satzungen (Ps. 12, 90, 54) und ist dafür bestraft worden (Sota 35a״ Chag. 15 a). Nie erwirbt Thora, wer stolzen Sinnes an ihr Studium herangeht, sich über sie erhebt, der nur ihre Gedanken kennen lernen will, um sie kritisierend zurückzuweisen (Erubin 65 a). Groß wird durch sie, wer sich ihr gegenüber klein erscheint, frei, wer sich ihr als Diener hingibt, sich ganz in ihren Dienst stellt (B. mezia 83 b). Hierzu folgende Aussprüche: Wer sich zur ״Wüste" macht, die als Gemeingut aller gilt, von allen betreten werden kann, also gleichsam sein Selbst aufgibt, dem wird die Thora zum Geschenke, sein Teil ist Gott, er steigt die Höhe empor (Nedarim 55a, Sota 21b). Ihren Wohltätigen Einfluß übt die Thora auf den, der sich als ein Nichts betrachtet. Wer sie voll erwerben, den Erwerb behalten will, muß bereit sein, für sie das Leben hinzugebend) oder, wie ein anderer Ausdrück lautet, sich für sie zu töten (Sanhedrin 111a, Berachot 63 b). Dieser Ausspruch wurde von einem ihrer bewährtesten Forscher wörtlich genommen. R. Akiba ging, in den Tod und ließ von der Thora nicht. Sie ist, *) Tanchuma Absch. No ach wird zu dem Satz: ״sie wird nicht gefunden im Lande der Lebenden" (Hiob 28, 18) bemerkt, man findet die Thora nicht bei dem, der Weltlust, Ehren, Würden suchte sondern bei dem, der sich ihretwegen tötet.