Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 2)
- Language
- German
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19 Reihe von neuen wissenschaftlichen Erzeugnissen und was uns am bedeutendsten erschien: nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ nahm diese Literaturgattung zu. Das Verständnis für die Bibel, und auch die Liebe .zu diesem einzigartigen Schrifttum, war im Zunehmen begriffen. Insbesondere war es der Prophetismus Israels, der eine gerechte Würdigung fand, dessen Bedeutung in der Geschichte erkannt wurde. Es ist schon einmal darauf hingewiesen worden, daß es vornehmlich Deutsche, Holländer und Engländer (zu diesen müssen auch die Amerikaner gezählt werden) sind, denen das Bibelstudium ungemein viel zu verdanken hat. Zu diesen drei protestantischen Völkern gesellt sich aber auch das katholische, französische, dessen Verdienste um die Förderung dieses Studiums nicht in Abrede gestellt werden können. Wer sich mit diesem Zweig der Wissenschaft eingehend beschäftigt, wird leicht herausfinden, daß bei aller Gemeinsamkeit der Forschung, deren Objekt das klare Verständnis des Weltbuches ist, jedes Volk darin eine besondere Art, oder eine besondere Nuance, aufzuweisen hat. Man kann sehr gut von einer deutschen, holländischen, englischen und französischen Schule sprechen, von denen jede -etwas Besonderes bietet, und die somit einander vervollständigen und ergänzen. Es würde zu weit führen, wollte ich die Eigenart einer jeden Schule genau umschreiben. Aber so viel steht fest, daß man kaum eine deutsche Arbeit in die Hand nehmen kann, die sich nicht mit den Ergebnissen der holländischen, englischen oder französischen Forschung eingehend auseinandersetzt. Dasselbe ist natürlich auch bei holländischen, englischen und französischen Büchern der Fall. Dieser Umstand genügt, um das Gerede von der Verewigung des Völkerhasses zum Verstummen zu bringen. Wer das fremde Volk haßt und seine Augen vor dessen Leistungen verschließen will, schadet damit nicht dem andern Volke, sondern dem eigenen, dessen Kulturvermögen er beträchtlich herabzumindern unternimmt. Im Laufe des letzten Berichtsjahres ist auf dem ^Gebiete der Bibelforschung und der mit ihr verwandten 2*