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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 16

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Rückblick auf das Jahr 5675
Date
1916-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 gründung. Die Fortdauer des „Jiddischen" aber als Unterrichtssprache würde den ferneren Ausschluß der Juden von der Nation bedeuten, sie als fremden Bestandteil im nationalen Körper erhalten und damit der Vereinzelung, dem nicht unbegründeten Antisemitismus- Preisgeben. Drittens ist für das geistige, wirtschaftliche und politische Gedeihen der Israeliten die Teilnahme an der allgemeinen Bildung durchaus unentbehrlich. Auch diese Gesichtspunkte sind so selbstverständlich, daß sich ein näheres Eingehen darauf erübrigt. Welches sind nun die Sprachen, in denen der Unterricht in den neuen Schulen erteilt werden soll? Für Kurland und Litauen ist es undiskutierbar: in jenem Deutsch, in diesem Russisch. Denn es sind die herrschenden Landessprachen. Anders verhält es sich mit Polen. In einigen Teilen des nördlichen Polen, zumal in den größeren Städten, gibt es ein starkes deutsches Element, und dies zu kräftigen liegt offenbar im Wunsche und im Interesse der jetzt dort maßgebenden deutschen Verwaltung. Au diesen Orten könnten die Schulen also einen deutschen Charakter annehmen. Verschieden davon ist dieLageim gesamten übrigen Polen, mitEinschlußderHauptstadt Warschau. In diesen Gegenden ist das Polnische durchaus maßgebend, und wenn man nicht die Juden wieder zu nationalen Feinden stempeln will, wie sie bisher von der ungeheuren Mehrheit des polnischen Volkes betrachtet und leider auch mißhandelt worden sind, somuß hier die Lehrsprache in den dortigen jüdischen Schulen das Polnische sein. Zu wirksamen Agenten der Germanisation sind die körperlich, moralisch und ökonomisch schwachen Israeliten jener Gegenden wahrlich, nicht geeignet. Das sind natürlich nur große, allgemeine Linien. Sie im einzelnen durchzuführen und zu vertiefen, fühle ich mich nicht berufen und halte es auch noch nicht an der Zeit. Aber grundsätzlich an der Verwirklichung dieser Vorschläge zu arbeiten, ist, glaube ich, die Pflicht aller deutschen und österreichischen Juden und zumal derjenigen, die Einfluß auf ihre Regierungen besitzen. Jedes Zögern

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