Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5675
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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um ihre Person in Sicherheit zu bringen. Damit Verhaltes sich aber ganz anders. Einerseits ist die kaufmännische-. Gewöhnung und Tauglichkeit der Juden für bestimmte- Geschäftszweige, zumal den gesamten Produkten- und- Bekleidungshandel, unbestreitbar, und die Militärbehörden konnten gar nicht umhin, sich ihre Vertrauensmänner unter diesen Fachleuten zu wählen. Was nun die Juristen anbetrifft, so sind die christlichen größtenteils Reserveoffiziere und als solche sofort eingezogen worden. Diejüdischen Juristen waren leider nicht in dieser Lage, undso hielt die Heeresleitung es für angemessen, die hervorragenderen unter ihnen in Verwaltung und Kriegsgericht zu berufen, anstatt sie in die Schützengräben oder an die- Schippe zu stellen — was immerhin die ungeheure Mehrzahl jüdischer Akademiker jeder Art betroffen hat. Freilich, sicher sind wir nicht, daß nach dem — hoffentlich günstigen und deshalb das nationale Gefühl, in Deutschland stark anreizenden — Friedensschlüsse die unparteiische und freundliche Haltung der Regierung und des weit überwiegenden Teiles der Bevölkerung gegenüber der kleinen jüdischen Minderheit andauern wird. Es ist deshalb höchlichst zu begrüßen, daß die größeren jüdischen Körperschaften ihre Tätigkeit aufrecht zu erhalten und den neuen Bedingungen und Forderungen der Zeit anzupassen verstanden haben. Auch der Umstand, daß ihnen der größere Teil ihrer Beamten durch die Einberufung zur Fahne entzogen wurde, ist von ihnen überwunden worden. So stehen der Deutsch- Israelitische Gemeindebund und der Verband der deutschen Juden in voller Wirksamkeit da: der Gemeindebund» in seiner hauptsächlich friedlichen, Wohlfahrt, Religionsunterricht und Ethik der deutschen Israeliten berücksichtigenden Weise, aber auch für die jüdischen Soldaten schaffend; der Verband hauptsächlich für die politischen und militärischen Aufgaben arbeitend. Die Bnei-Briß- Logen haben ihre Wohltaten auf die verwundeten und kranken Krieger aller Bekenntnisse ausgedehnt und sich, damit neue Verdienste erworben. Besonders rühmlich. für die deutschen Juden ist es, daß sie auch in diesen