Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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250 Eine Festlichkeit großen Stils vereinte die Gesellschaftskreise der Reichshauptstadt bei dem Geheimen Kommerzienrat Martin Eisenberger, dem zweiten Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Flora - Hütte. Neben ihm stand der erste- Vorsitzende, der alte Baron von Rettlinghausen, der in jovialster Liebenswürdigkeit keinen Augenblick den Aristokraten pur sang verleugnete. Er war bei der Gründung, der Aktiengesellschaft von Anbeginn beteiligt, und fühlte sich neben Eisenberger gewissermaßen repräsentativ verpflichtet den Gästen des Hauses gegenüber, den Gästen dieses Festes. Außerdem verband Gutsnachbarschaft die beiden Herren in langjähriger Freundschaft. Und war Rettlinghausen für Eisenberger der Inbegriff aller Vornehmheit und feudalen Noblesse, so galt dieser für den Baron als der Großkaufmann ersten Ranges, zuversichtlichster Bedeutung und korrektester Geschäftspraxis. ,,Mit so 'nem Mann zu arbeiten ist ein wahrer Hochgenuß", sagte Rettlinghausen grade zum Generaldirektor Ewald, der mit anderen hohen Beamten benachbarter Gruben ebenfalls zu dem Jubiläum eingetroffen war. „Das begreife ich vollkommen, Herr Baron. Er erfreut sich auch in den Kreisen des Hütten- und Bergwerkfaches einer außergewöhnlichen Wertschätzung und bei Gründungen, in den beiden letzten Dezenten galt er als Autorität in finanzieller Hinsicht, nach dem fabelhaften Einschlag der „Flora". „Das kann ich mir wohl denken", lachte der Baron . . . „Eisenberger - Goldgrube" . . . nannte ihn mal ein Aufsichtsratsmitglied bei einem Generalversammlungsdiner, nachdem die Dividende auf 23^ festgesetzt wurde". „Und dabei alles ganz reell, ohne Konzessionen und Konfidenzen. Ich glaube, seine absolute Zuverlässigkeit und Klugheit, sein Weitblick und seine Großzügigkeit haben das bewirkt . . . ." „Na, und .... sein Glück, vergessen Sie das nicht, lieber Generaldirektor". „Ganz gewiß nicht! Ein Kaufmann ohne Glück istz ein schlechter Kaufmann!" ■