Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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die Aufforderung Eisenbergers: „Nemmen Sie noch etwas von de „Katschkes", erwiderte: „Katschkes" ist ein sehr kräftiges und bezeichnendes Wort", da war jeder Zwang gebrochen. Die Üebersetzung von Katschkes in Enten fand er beinahe ebenso gut, wie die Bezeichnung Kindbettsupp für die sehr kräftige, legierte Graupensuppe, die ihm ganz „exquisit gemundet" hatte Das Alles trug den Stempel liebenswürdigster Harmlosigkeit. Man war auf beiden Seiten bemüht sich ineinander zu schicken. Und zwischen dem alten Juden und dem jungen Aristokraten stand als kluge und taktvolle Mittelperson: Egon, der moderne Jude. Wie im Fluge verstrich die Zeit. Sie benutzten die Tagesstunden zu Streifzügen in die Umgegend. Besichtigten die Hüttenwerke, fuhren in die Schächte mit den Grubenarbeitern ein und gewannen unter geeigneter, ihnen besonders gewährter Führung und Anleitung einen verstehenden Einblick in die Bedeutung dieser gewaltigen Industrien und die Umsicht und Ruhe der Arbeiterheere, die hier erobernde Schlachten schlugen im Kampfe mit finsteren Naturmächteu. Auch die sozialen Einrichtungen in diesem Reiche schwerster Daseinskämpfe fanden ihr höchstes Interesse. Egon hatte diese Arbeiterkolonien schon einige Male besucht, wenn er mit dem Vater vorübergehend hier war. Heute an der Seite des gleichgestimmten Kameraden sah er das alles viel anders an, man könnte sagen, reifer. Und über die Freudigkeit ihrer reichen, glücklichen, sorglosen Jugend breitete der Ernst des Lebens hier seine grauen Schatten. „Hier sollte man alle herführen aus dem Glanz und Prunk des Weltstadtlebens!" sagte Egon mit einem sentimentalen Anhauch. „Das wäre ein praktisches Kolleg für die, die Nationalökonomie und Sozialpolitik studieren wollen." Nachdenkliche Gespräche beschäftigten sie meist auf ihren Wanderungen und Fahrten, aber wenn sie zurückkamen, da siegte die Fröhlichkeit ihrer Jugend und das häusliche Wohlbehagen über alle Bedenklichkeiten, die sich bei ihren Beobachtungen ihnen aufgedrängt hatten, und das Vor-