Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWMWWWWMW^MUWWWWWWVW WW — 232 — Leuten bewohnt. Armseligen Handwerkern, Arbeitern und Proletariat aller Konfessionen. Sie hausen ziemlich friedlich beieinander, wie das in katholischen Landen meist der Fall ist ..." „Ist Oberschlesien katholisch?" fragte Arnulf. „Ganz und gar! Der Hochadel und die niedere Bevölkerung. Dazwischen viele Juden und etwas Protestantismus. Und diese Gasse ist weit hinaus ins Freie ausgedehnt, viel länger als dir beiden anderen, und an ihrem Endpunkt liegt der Judensriedhof. Dort werden an all' den armen Leuten vorbei die Juden zur letzten Ruhe geleitet." Sie waren unter diesen Gesprächen an der großelterlichen Behausung angelangt. Egon hatte mit dem Freimut und der Sicherheit eines über diesen konfessionellen Dingen Stehenden gesprochen, und Arnulf hörte gespannt zu, als eröffneten sich ihm Einblicke einer' ganz fremden Welt. „Da find sie ja, die lieben Gäste", scholl es ihnen von der grünen Bank entgegen, auf der das alte Ehepaar saß im nächtlichen Halbdunkel. Frau Sarah hatte ein Tuch umgeschlagen, sie fröstelte ein wenig. „Wir waren schon unruhig, wo Sie so lange bleiben", wendete sie sich zu Arnulf. „Es war ein schöner Spaziergang, den wir gemacht, und Egon ist ein guter Führer und hat mir viel Interessantes erzählt." Eisenberger erhob sich etwas schwerfällig. „Auf dieser Bank verbringen wir unsere Feierabende, Herr Baron! Sieben Jahre schon . . „Bis hundert", lispelte Sarah leise. „Ein langer Feierabend wars heint. Aber auch ä bewegter Tag. Nich wahr, Sarah mein Weib? Du wirst müd' sein ..." Eugen trat rasch an sie heran und stützte sie. Sie gingen ins Haus. Wortlos begaben sich die jungen Leute in ihre Zimmer. Auch Joses Eisenberger suchte seinen Lehnstuhl auf, während Sarah die Tafel musterte,