Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3111067-3111102-3116607--5116-3116863- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
230 „Ja, ja . . . so eine dürre Erdscholle bringt man zum Blühen nicht mit dem, was aus ihr hervorwächst, sondern was in ihr ruht. Und der Gärtner, der solches- Erdreich befruchtet, heißt Unternehmungsgeist." „Der auf diesem Boden, den wir durchschreiten, den Namen Deines Vaters führt." „Gewiß! Ich freue mich dessen, aber wir verkennen nicht, daß Eisen-, Erz- und Kohlenabbau in diesen Gegenden schon lange vorher erfolgreich betrieben wurde- Die Marien-, Königs-, Laurahütte, die großen Kohlenschächte bei Zabrcze, die Henkel Donnersmarkschen Werke, die Hegenscheidschen und anderer, die weitum die ganze Gegend beherrschen, waren schon früher da. Den Mut zurr „Flora-Hütte" hatte allerdings mein Vater, und seiner- Energie und Großzügigkeit ist das rasche und imposante Gedeihen dieser Schöpfung zu danken. Seinen Ideen kam Wohl zustatten, daß er ein Sohn dieser Erde ist. Als mein Großvater vor nunmehr sieben Jahren sein Geschäft auflöste, „denn ieder Tag sollseinen Feierabend haben", wie er sichausdrückte, wollte mein Vater, daß auch er sich draußen eine freundliche, schöne Villa erbauen lasse. Die Bauplänewaren bereits entworfen, das Grundstück mit Vorkaufsrecht ausgewählt und Papa kam her, um mit ihm dasweitere zu besprechen. - Mich hatte er mitgenommen. Ich. war damals noch ein sehr grüner Junge, aber unvergeßlich bleibt mir, wie Großvater mit einem gewissen Stolz und ruhiger Würde sagte: ,wie kommst Du darauf, mein Sohn? Aus dem Grund und Boden, wo wir gelebt haben und gearbeitet und Geld verdient, woll'n wir auch sterben, über hundert Jahr, wenn es Gott gefällt. Deine Mutter und ich. Ich ziehe nicht in eine neumodische Villa, wenn ich Hab' mein gutes, anständiges- Haus, wo wir sind alt geworden und uns auskennen auf jeden Stein. Dessentwegen Hab' ich auch nicht verkauft das Geschäft, weil ich will nicht sehen, auf meinem Grund und Boden fremde Menschen. Die Flora-Hütte is gekommen zu Josef Eisenberger, aber Josef Eisenberger geht nich zur Flora-Hütte. Daß da draußen gefallt mir sehr schön, aber das ist nichts für uns. Das-