Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Wilhelm Bacher
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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WMWMFWUMM -MWWMDWMMWWWWWWWWff - 190 — seines Wesens zu rühmen. Er war ein Mann von unbedingter Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit, die die höchsten "Tugenden eines Lehrers und Gelehrten darstellen, und verband damit aufrichtige Bescheidenheit, die allen großen Eigenschaften erst den rechten Wert gibt. Voll echten und tatkräftigen Wohlwollens war er ein väterlicher Freund seiner Hörer, die er noch in seinem letzten Willen großzügig bedachte, und förderte neidlos aufstrebende jüngere Gelehrte. Besondere Hervorhebung verdient auch seine große Gefälligkeit, mit der er wissenschaftliche Anfragen mit nie versagender Promptheit beantwortete. Trotzdem er seine Zeit förmlich vervielfältigte, war er immer zu sprechen und erklärte einmal: „Man stört mich immer und daher nie." Besondere Hervorhebung verdient das glückliche Familienleben Bachers. Nach kurzer Ehe verwitwet, fand er in Helene Goldziher eine ebenbürtige, gleichgestimmte Gattin, die seinem einzigen Kinde eine liebevolle Mutter wurde und ihm durch treue Fürsorge und verständnisvolle Teilnahme das Leben verschönte. Ihre Persönlichkeit war es, die ihm in dem traulichen Heim die Atmosphäre schuf, in welcher er völlig ungestört seiner Arbeit leben konnte. Das Bedürfnis nach Arbeit verließ ihn nicht bis zu seinem letzten Augenblicke, Noch am Vorabend seines Todes besorgte er die Korrektur seines letzten Werkes „R ab bau an, Die Gelehrten der Tradition", das im diesjährigen Programm der Landesrabbinerschule erschienen ist/ Danach schlief er sanft ein, um von seinem arbeitsreichen und gesegneten, in der letzten Zeit von schweren Leiden, getrübten Leben auszuruhen. Sein Name wird für alle Zeiten in unserer Wissenschaft fortleben, nicht nur durch seine Werke, sondern auch durch seine Hörer. Denn er hat im wahren Sinne des Wortes Schule gemacht, und schon bei Lebzeiten hatte er die Genugtuung, daß aus dem Kreise seiner Jünger eine ganze Anzahl von namhaften Pflegern der jüdischen Wissenschaft hervorgingen. Hier seien nur zwei genannt.