Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Wilhelm Bacher
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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189 Dictionary ok the Bible zwei wichtige Artikel (Sanhedrin, Synagogue) BcorBeiiet. Noch wenige Monate vor seinem Tode sollte es sich zeigen, wie hoch man sein fachmännisches Urteil in akademischen Kreisen bewertete. Denn die Göttinger Königliche Gesellschaft der Wisfenschaften, die für ihr großes Unternehmen „Quellen der Religionsgeschichte" auch die Quellen des (nachbiblischen)Judentums in ihr Programm ausgenommen hat, wußte die Entwerfung des Arbeitsplans für die jüdischen Quellen keinem würdigeren als Bacher zu übertragen. Leider konnte er infolge seiner schweren Erkrankung die Arbeit nicht mehr selber ausführen, und siewurde in seinem Sinne andern Händen anvertraut. Wenn wir Bachers wissenschaftliche Tätigkeit zusammenfassend betrachten, so müssen wir noch die ihm eigene Gabe der Konzentration und Selbstbeschränkung besonders rühmen. Glücklicherweise konzentrierte er sich gerade auf die Gebiete, die nicht nur die wichtigsten, sondern auch die am wenigsten bearbeiteten sind. Durch diesen Vorzug bildete er einen Gegensatz zu seinem Studiengenossen und langjährigen Kollegen David Kaufmann, der trotz reicherer Veranlagung nicht so viel Bleibendes geschaffen hat, weil er sich zersplitterte und noch dazu sich oft mit Stoffen von ganz untergeordnetem Interesse beschäftigte. Die strenge Selbstzucht, die Bacher verhinderte, sich auf abliegende Gebiete zu begeben, hat es wohl auch mit sich gebracht, daß er dem großen Publikum in Darstellung und Stoffwahl keinerlei Konzessionen machte und überhaupt kein einziges populär-wissenschaftliches Werk hinterlassen hat. Außer einigen zum Teil in diesem Jahrbuch erschienenen Vorträgen hat er kaum etwas veröffentlicht, was speziell für Laien bestimmt gewesen wäre, und selbst diese Vorträge sind Muster der Schlichtheit und verschmähen jeden rednerischen Schmuck. Doch es hieße einem so gediegenen Charakter wie Bacher Unrecht tun, wollte man ihn blos nach seinen Schriften beurteilen, ohne die, rein menschlichen Seiten.