Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Heinrich Laube und die Juden
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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176 das Herz der Schwiegertochter und selbst der Erbtante durch ihre Vornehmheit erwirbt und die den Adel ihrer Gesinnung selbst gegen ihre Feinde bewährt, dadurch^ daß sie die Magd Maria vor dem schlimmen Lose bewahrt, in Farmers Dienste zu treten. Der Händler Moses, ein schlauer, auf seinen Vorteil bedachter Allerweltsmann, der aber für seine Glaubensgenossen wirkte auch ohne zu verdienen, ein Naturschwärmer und Bewunderer der Frauenschönheit, bei dieser Verehrung sich durchaus platonisch bewährend. Man erkennt, daß die Juden in diesem etwas eigenartigen Buche ganz gut fortkommen. Aber man kann es eigentlich keinen Beitrag zur Lösung der Judenfrage nennen. Es ist nicht unmöglich, daß die ganze- Geschichte einem wirklichen Vorgang entnommen ist; es ist sogar wahrscheinlich, daß einzelne Personen nach lebenden Modellen gearbeitet sind. Wie dem auch sein mag, die ganze Geschichte lehrt, daß. Laube in seinem hohen Alter wohlwollend über Juden dachte. Unsere ganze Darlegung bezeugt, wie ein hervorragender deutscher Schriftsteller zeitlebens mit dem Judenproblem rang, daß er zwar viele schiefe Urteile fällte, gegen Einzelne und gegen das Judentum ungerecht wurde, daß er aber einigen Juden volle Gerechtigkeit widerfahren ließ und selbständig über eine große weltgeschichtliche Erscheinung zu denken bemüht war.