Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Heinrich Laube und die Juden
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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163 tvohner das starke Gefühl eines organischen Lebens, tvelches dem Fremden mißtrauisch zusieht, nicht ausgebildet. Man nimmt das Einzelne, das Blendende günstiger auf als anderswo in Deutschland. Hier konnte ffich also das brillante Judentum, welches der Natur der Sache nach in seinen besten Leistungen einen organisch deutschen Charakter nicht haben kann, hier in Berlin konnte es sich am freiesten entwickeln. „Aus diesem Element des Judentums und des Berliner Judentums im besondern stammt die Taktik Herrn Meyerbeers, welche er in unsere literarische Welt einführt und welche wir als etwas uns widerwärtig Fremdes zurückweisen. Der deutsche Stil, wenn zwei Autoren einen gleichen Stoff behandelt haben, ist ein ganz anderer. Ich will nicht sagen, daß der Neid überall ausbleiben werde. Leider sind wir gute Deutsche recht schwache Menschen wie andere Nationen eben auch. Leider ist gerade unter Künstlern der Neid ein garstig Erbteil menschlicher Natur, welches man bekämpfen und wenn auch vielleicht nicht besiegen, aber doch Niederhalten ckann. Letzteres geschieht unter den Deutschen. Es ist uns allen gründlich zuwider, einen offenen Schacher mit Gegenständen der Kunst und Wissenschaft dergestalt zu treiben, daß dabei ein sogenannter Konkurrent — das Wort ist uns unausstehlich in der Literatur! — in Nachteil kommen könne. Ereignet sich ein solches Zusammentreffen zwischen zwei Lebenden wie hier zwischen einem Lebenden und einem Verstorbenen, so wird jeder von beiden sich geltend zu machen suchen, aber jeder wird die Forderung, daß der andere zurückgedrängt werden solle, sorgfältig vermeiden. Ein solches Zusammentreffen künstlich erzeugen zwischen einem Lebenden und einem längst Verstorbenen; dies Zusammentreffen herbeisühren und betreiben zu nackter Beseitigung des Lebenden und zwar für einen Verstorbenen, dessen nur die Familie eingedenk ist, die Literatur und deren Vertreter bei einer artistischen Anstalt aber nicht, ein solches Zusammentreffen mit allen erreichbaren Mitteln betreiben und Lurch unliterarische Hilfsmittel durchsetzen — das ist ein 11*