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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 124

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
Date
1915-01-01
Page
Seite 124 (sequence 69)
Language
German
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WUMWWWFWWWWWWWMBWWWWWWWWWWZDW — 124 — Freigeistern, wenn es 'Heren dort zu Lande gab, sondern er befreundet sich intim mit einer religiösen Sekte, die zwar in den Fragen der Bibelauffassung freiere Ansichten aufkommen ließ, dogmatisch aber durchaus auf einem orthodoxen Standpunkt der christlichen Glaubenslehre sich bewegte. Und sogar kirchlich waren sie in ihrer Disziplin gebunden. „Das Kleinod der Kirche ist der Bann". Das war die Losung jener Sekte, mit der Spinoza intimen' häuslichen Verkehr pflegte, bevor die Juden, die so oft durch Denunzianten harte Schicksale über sich ergehen lassen mußten, zur Exkommunikation eines der Ihrigen schritten, auf dessen Abkunft, dessen Geist, dessen Gelehrsamkeit sie die größten Hoffnungen gesetzt hatten. Der Verdikt, den Spinoza über das Judentum gefällt hat, ist in der bisherigen Literatur noch nicht gerecht beurteilt worden. Wenn ein Christ die Lehre Christi verwerfen würde, so hätte er sich selbst sein moralisches Grab gegraben. Charakteristisch ist dafür in der neueren Zeit, .wie man sich mit Nietzsche abfindet. Ein namhafter Theologe hat ihn so gedeutet: Nietzsche sucht den Uebermenschen, also sucht er Christus. So wird über den Antichrist der Schleier gebreitet, und die historische Ausnahme ist verschwunden. Wenn Spinoza dagegen mit der lieblosesten Härte nicht nur seinen Stamm verächtlich macht — in denselben Tagen, in denen Rembrandt in seiner Gasse wohnt und die Idealität des Judentypus verewigt —, sondern auch den Einzigen Gott verstümmelt, dessen Bekenntnis der Grund war, der ihn selbst mit seinem Vater Portugal und der Inquisition entfliehen hieß, so meldet sich keine Stimme gegen diesen menschlich unbegreiflichen Verrat. So gibt es dafür nur die eine höchlichst willkommene Erklärung, daß endlich einmal ein Jude von Bedeutung seine Verstocktheit aufgegeben habe; als ob die Abtrünnigen in irgend einem Zeitalter gefehlt hätten, und als ob Spinoza selbst seine Unschlüssigkeit nicht dennoch dadurch erkennbar gemacht hätte, daß er den Uebertritt dennoch unterlassen hat,

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