Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 39)
- Language
- German
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53 lief) zu rubrizieren sind, als „Varia" Aufnahme finden: I. Weismann, „Talion und öffentliche Strafe im mosaischen Rechte"; I. Wohlgemuth, „Gesetzestreues und liberales Judentum"; A. Kharon, „Etüde sur les principes medicaux et hygieniques des Hebreux“; S. Goldschmidt, „Die soziale Fürsorge in der jüdischen Religion"; R. Färber, „Zwei Vorträge" <1. Die Juden als Volk des Tempels, des Handwerks und der werktätigen Liebe. II. Biblische Lebensweisheit). Unter dem Titel „Harfe und Posaune" hat M. L e w i n eine zweite Sammlung seiner gemütvollen und gedankenreichen Festpredigten veröffentlicht, die zu jenen Kanzelreden gehören, die nicht nur gehört, sondern auch gelesen Zu werden verdienen. — „Blau-Weiß" betitelt sich ein Liederbuch, das von der Führerschaft des jüdischen Wanderbundes „Blau-Weiß" herausgegeben wurde. — Auch eine Art Kriegsliteratur hat dieses Jahr aufzuweisen. Vom Verband der Deutschen Juden wurde ein „Feldgebetbuch für die jüdischen Mannschaften des Heeres" -(von Rabbiner Dr. L. Baeck verfaßt und zusammengestellt) herausgegeben. Der Seelsorge im Kriege dienen auch: „Gebetordnung für Feldgottesdienste" von Rabbiner N. A. Nobel, „Gebetbuch für israelitische Soldaten im Kriege" und „Gebete in Kriegszeit für israelitische Frauen und Mädchen", beide von Rabbiner M. Grunwald. * * * Verhältnismäßig reichhaltiger ist in diesem Jahre die jüdische Belletristik vertreten. Dabei will es mir scheinen, daß meine vor einigen Jahren an dieser Stelle getroffene Voraussage hinsichtlich der Entwicklung der jüdischen Erzählung, ihre Bestätigung erfahren soll. Die alte Ghettoerzählung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die einige Meisterdichtungen gezeitigt hat, erscheint unserem Geschlechts fremd und entfremdet. Aber das moderne Leben der Juden unter veränderten sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, unter neuen Verhältnissen, bietet reichen Stoff für den jüdischen Roman.