Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5674
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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14 seine Oberherrschaft auf dem Meere gesichert sowie seinen Handel und seine Industrie wieder über den Wettbewerb Deutschlands erhoben sehen. Aber den bedeutendsten Vorteil würde Rußland ernten, das sich Galizien und Ostpreußen nehmen, den Weg nach dem Westen wieder eröffnen und überhaupt das europäische Festland seiner Uebermacht und seinen automatischen, tyrannischen Regierungsgrundsätzen unterwerfen würde. Die Roheit, Unsittlichkeit und Bestechlichkeit, die jetzt das russische Staatsleben und Beamtentum charakterisieren, würden über Europa triumphieren; Deutschland, Skandinavien, ja Frankreich selber würden die Untertanen des „weißen" Zaren werden. Anders, wenn Deutschland und Oesterreich endlich als Sieger aus dem heißen Ringen hervorgehen, dann ist auf lange hin Europa von dem russischen Drucke befreit, dann bricht in Rußland selbst die Herrschaft des Despotismus, der verbrecherischen Verwaltung, der Lüge und des Unrechts zusammen, dann geht in dem „heiligen" Reiche die Sonne der Freiheit auf. Das wäre ein Glück für die Menschheit, ein Glück' ganz besonders für sechs Millionen unserer Glaubensgenossen. Wir sehen, nicht nur als Kulturmenschen, nicht nur als treue und begeisterte Deutsche, nein, auch als treue und begeisterte Juden müssen wir den Sieg Deutschlands und Oesterreichs in dem großen Kriege wünschen und um den Preis des Vermögens und des Lebens fördern. Unsere Sache ist die gerechte Sache der Freiheit, des Rechts, der Gleichberechtigung. Sie muß und wird siegen. Das walte Gott, der Hüter und Schirmer Israels!