Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Meschummed
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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255 Und er erzählte, wie er nicht Ruhe gefunden seit jener Stunde, und wie es ihn gequält habe alle die Jahre, und wie er's ihm hätte sagen wollen beim Abschiede, als letztes Wort; und er solle es der Mutter sagen in Gan Eiden, J) daß alles wahr sei . . . Glaubte es der Vater noch nicht? — Die Züge ließen's nicht erkennen. Ja, jetzt hellten sich die Züge auf, dem Vater wurde zusehends leichtere Jetzt wollte er zu den Chewreleuten schicken. Doch der Vater wehrte ihm. Der Sohn beugte sich über den Sterbenden, der offensichtlich sprechen wollte. „Kommode,-unterstes Fach-ganzunten — — der le —-derne — — Beutel," kam's langsam und matt von den Lippen. In fliegender Hast warf Salomon die Wäschestücke aus dem untersten Fach der Kommode hinaus und hielt dem Vater ein altes ledernes Beutelchen hin, das aufgegangen war, und aus dem ihm einige Goldstücke entgegenblitzten. Wieder verzogen sich die Züge des Vaters wie im Schmerz; doch als es vorüber war, sagte er erleichtert: „Drei —-Taler — — — öet — — roten- Riwke --ich hab's — — für Dich-— gelobt-das andre-Mazzeiwes 2)- für - — Muttern-und mich!" Als der Vater das gesagt hatte, lag er einige Zeit still da; die lange Rede hatte ihn sichtlich angestrengt, und er atmete schwer. ■ Dann flüsterte er: „Die Chewreleut!" Während die Männer nacheinander sich einfanden, lag Süßklang in einem ohnmachtähnlichen Schlummer. Als aber zehn Männer beisammen waren und man leise die Frage diskutierte, ob man schon das Sch'ma 2) sagen solle, da wurde der Sterbende wieder unruhig. *) Garten Eden Paradies. 2) Grabsteine. 3) Glaubensbekenntnis.