Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Meschummed
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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228 „Sch’ma jißroeil adaunoj elauheinu adaunoj echod!“1) - Und der alte Mann wiederholt: „8oh'ma jillroeil adaunoj elauheinu adaunoj echod!“ Es klingt, als ob er mühsam die Worte aus der Kehle Preßt, und bisweilen versagt ihm die Zunge den Dienst; doch bringt er das Bekenntnis, mit dem der Israelit seit Jahrtausenden den Weg in die Ewigkeit antritt, zu Ende. „Echod^)" hallt es aus dem Munde des Sohnes wieder, dem zitternd die Zähne zusammenschlagen. Jetzt öffnet sich die Tür, und geräuschlos treten die anderen Frauen ein; sie sind zu spät gekommen, der Tod hat es sonst nicht so eilig mit seinem Werk. Dann beteten alleFrauen, und der alte Mann mit ihnen: „Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, sein Name sei gepriesen. — Du bist unser Fels, und nicht tadeln wir Dein Tun, denn alle Deine Wege sind gerecht; und was uns auch treffe, wir zweifeln nicht an Deiner Treue." Nun wenden alle ihr Angesicht dem Lager der Entschlafenen zu und sprechen mit gedämpfter Stimme: „Deine Tugend wird vor Dir hergehen, die Herrlichkeit Gottes wird Dich aufnehmen. So gehe ein zu Gott und schlummre in Frieden, bis daß der Tröster kommt und Dir den ewigen Frieden verkündet." Dann gingen alle Frauen in die Vorderstube, und nur Vater und Sohn blieben im Sterbezimmer zurück. Und die Frauen stimmten das „Jigdal" an, jenes Gebet, mit dem der Israelit sein Morgengebet beginnt, und das ihm gesungen wird, wenn er sein Lebenswerk geschloffen hat. Klagend hallten die Töne durch die schwach erleuchtete Wohnung und hinaus in die dunkle Nacht. Plötzlich steht der alte Süßklang unter ihnen und stimmt in die Trauermelodie mit ein. Dieser ungewöhnliche Vorgang macht die Frauen verstummen, und aller *) Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, ist der eine Gott. 2) einzig.