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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 206

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Der Meschummed
Date
1914-01-01
Page
Seite 206 (sequence 21)
Language
German
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206 Jetzt ist der Vater wieder ganz Herr seiner selbst; er öffnet seiner Frau die Taille, holt Wasser aus der Küche, reibt ihr Stirn und Schläfe damit ein und besprengt ihr das Gesicht; dann hält er ihr ein Fläschchen mit Salmiakgeist, das für solche Fälle bereit ist, unter die Nase und wiederholt diese Hilfeleistungen einigemale. Da die angewandten Mittel ohne Erfolg bleiben, packt den alten Mann die Angst. Er hat bisher schweigend, ohne ein Wort an den Sohn zu richten, gehandelt; die Sorge um die noch immer leblos daliegende Frau drängt ihm die Worte auf die Lippen: „Es hat doch sonst gleich geholfen." Doch wies er das Anerbieten des Sohnes, daß er zum Arzt gehen wolle, auch jetzt zurück. Der Arzt hätte für diese Ohnmachtsanfälle Weisungen gegeben, und mehr könne er auch nicht tun. Jetzt holte der Vater eine Flasche mit Essig aus der Küche und rieb der Ohnmächtigen die Schläfe ein. Die Frau machteeineschwacheBewegung mit dem Kopfe. „Geh jetzt in die andre Stube, daß sie Dich nicht gleich sieht!" sagte der Vater leise. Wieder bewegt die Frau leicht den Kopf, doch schon etwas stärker als das erste Mal. Der Mann besprengt jetzt wieder das Gesicht mit Wasser und hält der Frau noch einmal das Salmiakstäschchen unter die Nase. Da wendet sie das Gesicht nach der andern Seite und schlägt die Augen auf und liegt still da. „Wie geht's Dir, Jettchen?" fragt Süßklang leise. Da wendet die Frau ihm langsam ihr bleiches Gesicht zu und sieht ihn lange mit ihren dunkelbraunen Augen an. Er reicht ihr zu trinken; sie trinkt einen kleinen Schluck und sinkt dann wieder matt in die Kissen zurück. Wieder haftet ihr Auge lange auf seinen Zügen; er liest ihr die stumme Frage vom Gesicht und beruhigt sie: „Lieg nur jetzt ganz still, mein Leben!" Doch diese Worte haben die entgegengesetzte Wirkung. Unruhig geht das Auge der alten Frau durch das Zimmer, als suche sie jemand, und gleich darauf fragt sie leise:

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