Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Meschummed
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachdruck verboten. Novelle von Isidor Borchardt. Li» Sabdstvorabeack. t er Kultusbeamte Gerson Süßklang der Gemeinde M. stand vor dem Spiegel und legte sich das Chemisett um. Jetzt trat er näher heran, um den Latz eingehender betrachten zu können. „Jettchen!" rief er, den Kopf ein wenig nach der Küche hin drehend. Die Gattin erschien in der offenstehenden Tür und fragte nach seinem Begehren. Ihr Haar war weiß wie das des Gatten, sie mochten beide etwa siebzig Jahre alt sein. „Sieh mal, Jettchen," sagte Süßklang, „glaubst Du, daß das Band hier am Chemisett noch über Schabbes halten wird?" Die Frau trat herzu und betrachtete aufmerksam die Stelle, wo das Band am Chemisett befestigt war. „Halten wird es noch, aber ich werd' es noch mit 'n paar Stichen fester nähen," bemerkte sie und suchte in der Kommode nach Nadel und Zwirn. „Weißt Du, mein Kind," hob wieder der Mann an, indem er aufmerksam seinen Blick über das Chemisett gleiten ließ,'„zu den Jomtauwin?) werd' ich mir Wohl ein paar neue Chemisetts kaufen müssen, sie werden doch schon schlecht." Die Frau hatte inzwischen das Band festgenäht und betrachtete jetzt durch die .stählerne Brille den Einsatz. *) einer, der von seinem Glauben abgefallen ist. 2) Feiertagen.