Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Wanderungen im Mittelalter
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Von Israel Abrahams. img^n im berlctffen ihre Heimat, weil sie es müssen oder weil sie es wünschen. Der Jude hat beide Beweggründe sür das Wandern erfahren. Durch das eigene Geschick und durch das Drängen seiner Mitmenschen unwiderstehlich umhergejagt, war der Jude gleichzeitig mit einem doppelten Anteil jener Neugier und Ruhelosigkeit behaftet, die oft Menschen aus freien Stücken zu langen und waghalsigen Reisen antreibt. Er hat auf diese Weise sowohl aus eigener Wahl als auch aus Notwendigkeit die Rolle des „ewigen Juden" gespielt. Er liebte es, in der ganzen Welt zu leben, und die Welt begegnete dieser Liebe damit, daß sie ihm auch den kleinsten Winkel verwehrte, den er hätte sein Eigen nennen können. Du Stamm mit irrem Fuß und müder Brust, Wann wirst Du eingeh'n in der Ruhe Lust? Die Taube hat ihr Nest, der Fuchs die Kluft, Der Mensch die Heimat, Juda nur die Gruft. (Byron.) Ein trauriges Kapitel der Geschichte des Mittelalters bilden die Wanderungen, die den Kindern Israel aufgezwungen wurden. Der Gesetzgeber hatte richtig x) Dr. Israel Abrahams in Cambridge veröffentlichte vor Jahresfrist eine Sammlung von Vorträgen unter dem Titel: „The Book of Delight and other Papers.“ Mit gütiger Erlaubnis des Verfassers bringen wir hier eine Übersetzung des obigen Aufsatzes (S. 122—158), der aus einem in Hebron in hebräischer Sprache gehaltenen Vortrage hervorgegangen ist. Die Quellepbelege siehe unten S. 185.