Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Der Neue Bund in Damaskus
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111100-3116299--4686-3116429- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Von Rudolf Leszynsky. f m Jahre 1896/97 entdeckte der bekannte jüdische Gelehrte Salomon Schechter in dem Keller der Synagoge von Altkairo eine große Anzahl mittelalterlicher Handschriften. Bücher, die für immer verloren schienen, kamen wieder zum Vorschein. Die berühmten Sprüche des Jesus Sirach (ca. 200 vor der üblichen Zeitrechnung) tauchten in ihrer hebräischen Ursprache wieder auf. Alte Gebete wurden gefunden, aus denen der Entwicklungsgang zu erkennen ist, den das jüdische Gebetbuch im Lause der Zeiten genommen hat. Wir sehen die Schriftzüge des größten jüdischen Philosophen, den das Mittelalter hervorgebracht hat, des Maimonides, vor uns, und neue unbekannte Namen treten in das Licht der Geschichte. Unter all diesen wertvollen Büchern und Blättern befindet sich auch eine geheimnisvolle Handschrift?) Es sind neun Blätter, beschrieben mit den ernsten würdevollen Zügen der hebräischen Buchstaben. Hie und da ist die Schrift verblaßt, die Blätter zerrissen, der Anfang und das Ende fehlt, und in der Mitte klafft eine Lücke. Nur die zerstückelten Glieder eines eigenartigen Wesens aus dunkler, unbekannter Zeit liegen uns vor. Der Text aber — soweit wir ihn lesen können — erzählt uns in klassischem Hebräisch von einer jüdischen Sekte, den Leuten des Neuen Bundes im Lande Damaskus. Der Reiz, den alles Rätselhafte auf uns ausübt, wird in uns lebendig, und wir bestürmen die kleine Schrift *) Documents of Jewish Sektaries. Volume I. Fragments of a Zadokite Work edited by S. Schecbter. Cambridge 1910.