Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 22)
- Language
- German
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86 mag. Es darf aber nicht vergessen werden, daß in den vielgeschmähten Pharisäern die Thora und die zur Zeit bestehende Wissenschaft vertreten war und sie das Recht hatten für die Thora Ehrungen zu beanspruchen, auf dieses Recht gar nicht verzichten durften. Sie mußten umsomehr darauf bestehen, als sie sahen, daß in jenen Zeiten das Gefühl für die idealen Güter sich abstumpfte. Dem Außenstehenden, der diese Beweggründe nicht kannte, muß dieser Anspruch als ein unverdientes Ehrfordern erschienen sein, auf ihn muß er abstoßend gewirkt haben. Infolge der strengen Beurteilung, der der Gelehrte unterworfen war, der Entsagung, die er sich auferlegte, der Opfer, die er brachte, um seinem Ideale, der Thora, obzuliegen, der Gottergebenheit, von der er erfüllt war, wurde er als ein Wesen höherer Art angesehen und wurden ihm gewisse Ehren -freiwillig zuerkannt. Indem wir einiges, was der Talmud hierüber anführt, in Kürze darzustellen suchen, sei daraus hingewiesen, daß bei der Ehre des Gelehrten drei verschiedene Klassen ins Auge gefaßt werden müssen, von denen die Ehre ausgeht, zum Teil auf dieselben zurückwirkt. Die Pflicht, den Talmid Chacham zu ehren, hat zunächst die Gesellschaft im allgemeinen, die im Gegensatz zu der nächst zu nennenden Klasse, aus Laien bestand; hierauf folgt das .auf gegenseitiger Achtung beruhende Verhältnis der Gelehrten gegeneinander, zuletzt die Pflicht der gegenseitigen Ehrung der Schüler und Lehrer. Von dem Ansehen des Talmid Chacham künden zunächst die ihm beigelegten Titel. Er wird Prophet, König, das Buch der Thora, Engel genannt, wie er mit der Schechina verglichen wird. Zu dem Satze: ״Meine Propheten behandelt nicht übel" (Ps. 105, 1b) wird bemerkt: das sind die Schüler der Weisend) Er ist König, weil auf ihn, den Besitzer der Weisheit, der Satz Anwendungfindet: ״durchmichherrschen Könige, (©pr. 8,15) * 2) >) Sabbat 11Sb. 2) Gittin 62a,