Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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64 1906 abgespielt haben, werden in diesem Roman mit ergreifendem Realismus geschildert. — Schließlich wollen wir noch hier zwei andere Dichtungen aus dem jüdischen Leben vermerken: „Aus dem Ghetto", Erzählungen aus dem vorigen Jahrhundert von M. Steinhardt und „Familie Mehlmann", Roman eines Konvertiten von F. Streißler. Ein biblisches und ein neutestamentliches Drama („Moses" und „Judas") schrieb H. Holtz, und G. Bassewitz schuf das Drama „Die Sunamitin". Aus dem Leben der Juden in späterer Zeit ist das Trauerspiel „Der Jude von Konstanz" von W. Scholz, das bei seiner Aufführung eine gute Aufnahme fand. Wenn man die reiche und unversiegbare Literatur des Judentums übersieht, die Jahr für Jahr quantitativ und qualitativ eine Bereicherung erfährt, so gewinnt man die Ueberzeugung, daß die Befürchtung Luzzattos, das Judentum könnte dereinst antiquiert werden, niemals eintreffen wird. Gewiß, auch die ägyptische, babylonische und assyrische Forschung zeitigt alljährlich neue Erscheinungen. Aber die ägyptische, babylonische und assyrische Kultur ist einmal bereits ins Grab gelegt worden und sie lag Jahrtausende hindurch unter Trümmern begraben. Deshalb bleibt ihr Platz im Museum für Altertumskunde. Das Judentum hingegen hat seine Lebendigkeit und seine Lebenskraft die Jahrtausende hindurch gewahrt, weshalb es für immer der Menschheit gehört. Und gerade die vielen Anfeindungen, die es bis jetzt erfahren hat, beweisen vielleicht am besten seine Unsterblichkeit.