Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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40 lebendigen jüdischen Volke wird auch die Wissenschaft des Judentums eine belebende Kraft sein und bleiben. Unsere moderne Geschichtsschreibung, die bald ein Jahrhundert alt ist (I. M. Jost hat bekanntlich mit der Veröffentlichung seines großen, geschichtlichen Werkes im Jahre 1820 begonnen), hat sich vielfach bemüht, dieses geschichtliche Bewußtsein im jüdischen Volke wach zu rufen und zu stärken. Deshalb braucht sie aber nicht zur Tendenzmacherei. herabzusinken und von der objektiven Behandlung des Stoffes auch nur im nlindesten abzuweichen. Unsere dreitausendjährige Geschichte bedarf in keinem Falle der Apologie; sie wirkt vielmehr, auch ohne es zu wollen, im besten Sinne des Wortes apologetisch. Denn sie zeigt uns, wie eine große sittliche Idee, die wir nur als göttlich bezeichnen können, sich durch das jüdische Volk der ganzen Menschheit offenbart hat, und wie sie trotz aller Hindernisse und trotz aller Anfeindungen, die das jüdische Volk wegen seiner geschichtlichen Aufgabe im Laufe der Jahrhunderte erfahren, die geistige Herrschaft über die gesittete Menschheit erlangt hat. Diese Erkenntnis bricht sich allmählich auch in christlichen Kreisen Bahn, und mit Genugtuung kann darauf hingewiesen werden, daß eine gerechte und vor allem eine verständnisvolle Beurteilung des Judentums in der Geschichte jetzt auch in Schriften christlicher Autoren zu finden ist. Uns muß unter allen Umständen nur lieb sein, daß sich christliche Forscher fleißig der jüdischen Geschichtsforschung widmen. Denn wir wollen vor allem objektive Wahrheit und betrachten es als einen großen Gewinn, wenn wir Gelegenheit erhalten, unsere Meinungen, die durch Vorurteile befangen sein können, durch die Außenstehender zu revidieren. Nur müssen wir uns stets das eigene, selbstständige Denken wahren und nicht die Objektivität bis zur Subjektivität nach der anderen Richtung hin treiben. Dieser Mangel haftet nämlich dem ersten großen jüdischen Geschichtswerk auf Grund der modernen Forschung an, und Rapaport war es, der auf diese subjektive Objektivität in Josts Arbeit hinwies. Ihre psychologischen Beweggründe sind leicht zu verstehen. Der erste moderne jüdische