Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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39 geber: „Religion und Wissenschaft". Bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf Hinweisen, daß dieses verdienstvolle literarische Unternehmen, das warm zu empfehlen wohl kaum nötig ist, mit dem Anfang des Winters 1913—1914 im 2. Jahrgang fortgesetzt wird und weitere sieben Monographien ankündigt. — Die bekannten geistvollen Vorträge A. Geigers über das Judentum und seine Geschichte sind jetzt in einer englischen Uebersetzung von C. Newburgh erschienen („llackalsm and its history). * * Bei der Erforschung des Judentums, wie wir Juden sie wünschen, nmssen wir stets darauf bedacht sein, daß der geschichtliche Sinn nicht verloren gehe und das Judentum keine Archäologie werde. Vor einigerZeit hatte ich Gelegenheit, an anderer Stelle des Briefes zu erwähnen, den S. D. Luzzatto an S. L. Rapoport zu dessen 70. Geburtstag gerichtet hat. Ich darf als bekannt voraussetzen, daß die hier genannten Männer zu den Hauptbegründern der Wissenschaft des Judentums zählen, imd daß ihr Verdienst um diese Wissenschaft unermeßlich ist. Luzzatto zeichnete besonders ein geschichtlicher Sinn aus, ein feines und tiefgehendes Verständnis für das Geschichtliche im Judentum, d. h. nicht bloß für die jüdische Geschichte, sondern auch für die Geschichtlichkeit im Wirken des Judentums, für dessen Kontinuität vom Anfang bis auf die Gegenwart. Für ihn gab es keine Episoden im Judentum, sondern eine unaufhörliche Entwicklung, in deren langen Kette sich Ring an Ring reiht, ineinander unauflöslich geschlungen. Und wenn sein Blick die Gegenwart streifte, so wurde er von der Sorge befallen, daß die Wissenschaft des Judentums etwas Anorganisches werden könnte oder ein archäologisches Museum, in dem leblose Denkmäler angehäuft sind. Er meinte, daß eine archäologische Behandlung des Judentums, dessen Wissenschaft aus eine Stufe bringen würde mit der ägyptischen oder babylonischen Archäologie. Um dieser Gefahr zu entgehen, muß nach der Meinung Luzzattos das geschichtliche Bewußtsein wach gehalten werden. Im