Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 1)
- Language
- German
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it^Fari^chp Von Simon Bernfeld. Kennt man das Judentum? Diese Frage dürfte wohl vielen verwunderlicherscheinen. Seit nahezu einem Jahrhundert verfolgen jüdische Gelehrte und Forscher das Prinzip, die wissenschaftliche Forschung des Judentums, alle Ergebnisse ihrer Untersuchungen, in den modernen Sprachen niederzulegen. Leopold Zunz und Abraham Geiger, denen die Wissenschaft des Judentums soviel zu verdanken hat, haben mit Bedacht die deutsche Sprache zum Organ dieser Wissenschaft gemacht, obwohl beide auch vorzüglich hebräisch schrieben. Sie gingen von der Ansicht aus, daß die Wissenschaft des Judentums der ganzen gebildeten Menschheit gehöre und deshalb aus ihrer sprachlichen Abgeschlossenheit heraustreten müsse. Seitdem ist diese Wissenschaft in verschiedenen europäischen Sprachen gepflegt und gefördert worden, und christliche Gelehrte haben sich in großer Zahl dieser Forscherarbeit angeschlossen. Ich spreche nicht bloß von der Bibelkunde und der hebräischen Sprachforschung, mit denen man sich in christlichen Kreisen schon seit vier Jahrhunderten eingehend beschäftigt. Auch in das nachbiblische und vorzüglich das rabbinische Judentum, das christliche Gelehrte früher mit Mißachtung zu behandeln pflegten, suchen jetzt protestantische und katholische Theologen mit kritischer Schärfe einzudringen. Ich möchte vorläufig die Streitfrage unberührt lassen, wie weit hier mit der nötigen wissenschaftlichen Objektivität verfahren wird, und ob nicht auch auf diesem neutralen Gebiete, in Forschungen, die lediglich der geschichtlichen Erkenntnis und der Wahrheit zu dienen haben, Vorur-