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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 15

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Rückblick auf das Jahr 5673
Date
1914-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 und die ihnen zahlreiche militärische Auszeichnungen eintrug, hat ihre Stellung befestigt. Die Hauptstadt des Reiches, Rom, hat durch ihren Stadtrat einstimmig den jüdischen Bürgermeister, Nathan, wiedergewählt. Es ist diese Ehrung und dieses Vertrauen um so bezeichnender, als der wahrhaft freisinnige und großzügige Mann, früher Großmeister des italienischen Freimaurertums, von allen klerikalen und rückschrittlichen Elementen auf das bitterste befehdet und angegriffen worden ist. Die Zuneigung seiner Vaterstadt, des Sitzes des Papsttums, zu ihm konnte aber nicht erschüttert werden. Und doch ist es noch nicht ein halbes Jahrhundert her, seitdem die Juden Roms in die engen und finsteren, erstickenden Gassen des Ghetto eingepfercht leben und sich bei Gelegenheit des Karnevals öffentlich verspotten lassen mußten! Nirgends und niemals hat die Weltgeschichte so schnelle und vollkommene Vergeltung geübt. Und wie die Hauptstadt, so der Staat. Er hat einen Israeliten, den Grafen von Carubio, zu seinem Gesandten in Kopenhagen ernannt. König Victor Emanuel III. hat laut seine Genugtuung darüber ausgesprochen, daß er gerade einen Juden zu einer so hohen Stellung berufen konnte, da er davon überzeugt sei, daß gerade die Israeliten für den diplomatischen Dienst besonders befähigt seien. Für einen deutschen Juden sind solche Vorgänge Gegenstand fast ungläubigen Staunens. Uebrigens steht Italien nicht mehr allein mit der Beförderung eines Juden zum Oberbürgermeister der Hauptstadt. Auch die Kapitale Ungarns, Budapest, hat am 15. Februar 1913 einen solchen, Franz Heltai, mit 218 Stimmen des Gemeinderats von 251 zum Oberhaupte der Bürgerschaft erkoren, und die Regierung hat diese Wahl bestätigt. Heltai, der gelehrte Jurist, der Schöpfer und Direktor der großartigen Budapester Gasanstalt, war längst Mitglied des Gemeinderats und des Reichstages. Leider hat er nur wenige Monate das hohe Amt,, das ihm jüngst zu teil geworden, verwalten dürfen; ein jäher Tod riß ihn hinweg, zur aufrichtigen Trauer der Stadt und des Landes.

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