Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 17 (1914)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5673
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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Teil der allgemeinen städtischen Steuern. Die Einsicht und Unparteilichkeit der großen Republik, die also die Juden von der Mißregierung der mohammedanischen Behörden und von den Ausschreitungen des eingeborenen Pöbels befreit hat, sind im höchsten Grade anzuerkennen. — Können die Juden der Balkanstaaten im allgemeinen, trotz der sie für den Augenblick schwer schädigenden Umwälzungen, der Zukunft mit Vertrauen entgegensehen, so gibt es doch eine wegen der hohen Zahl der dort wohnenden Israeliten schwer wiegende Ausnahme: Rumänien. Während des Jahres 1912 sind dort hintereinander zwei Ministerien am Ruder gewesen: ein konservatives unter dem Präsidenten Karp und ein konservativdemokratisches unter Majorescu. Von dem ersteren, der stets den Israeliten Wohlwollen gezeigt, hatten diese eine Besserung ihrer Lage erwartet; aber es geschah in dieser Beziehung nichts, mit Ausnahme eines Amendements zum Jndustriegesetze, das den jüdischen Arbeitern das Recht auf Beschäftigung zugesteht. Sonst arbeiten Gesetzgebung und Verwaltung in der bisherigen engherzigen Weise weiter. Ein Gesetz über die Beförderung im Heere bestimmt, daß „nur Rumänen" — die Juden gelten bekanntlich als „Fremde"! — einen höheren Grad als den eines Korporals bekleiden dürfen; und doch hat man 30 000 Israeliten zum Militärdienst eingezogen. Man sucht die jüdischen Kinder zur Unwissenheit zu verdammen, indem man sie an den öffentlichen Volksschulen ausschließt. So haben die jüdischen Gemeinden auf eigene Kosten, mit den schwersten Opfern, 81 Elementarschulen begründen müssen, die von 16 400 Schülern besucht werden. Auch in den gehobenen Volksschulen erhalten „Fremde" nur Zutritt, wenn die „Rumänen" dort Plätze übrig lassen, und zwar nur gegen ein hohes Schulgeld, während jene unentgeltlich Unterricht genießen. Nicht viel anders steht es um den höheren Unterricht, so daß die Juden in drei Städten — Jassy, Verlad und Braila — besondere Gymnasien haben begründen müssen. Daß auf allen Gebieten der Verwaltung und der öffentlichen Wohlfahrt sowie der Lieferungen für den Staat die