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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1914-01-01 · 17 (1914) · p. Seite 2

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
17 (1914)
Article
Rückblick auf das Jahr 5673
Date
1914-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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lichen Betätigung und des Wohlstandes zurückgehalten hat, während in den christlichen Balkanstaaten ein viel frischeres, kräftigeres und zukunftsreicheres Leben pulsiert. So ist zu erwarten, daß wenn einmal die zweifellosen Leiden des Uebergangszeitraumes überwunden sein werden, wie die übrigen, so auch die jüdischen Bewohner der von der Türkei getrennten Provinzen einer sichereren, reicheren, bedeutsameren Zukunft entgegen gehen. Die christlichen Staaten sind angeblich im Zeichen des Kreuzes in den Kampf gegen den Halbmond gezogen. So konnte es nicht ausbleiben, daß der künstlich angeregte Fanatismus ihrer Soldaten sich im Beginne auch gegen die Juden in Feindesland gerichtet hat. In Saloniki zumal begingen die griechischen Truppen gegen die dort so zahlreichen Juden Ausschreitungen und verwüsteten die Synagogen. Auch sonst kamen in Mazedonien Freveltaten griechischer und bulgarischer Soldaten gegen die Israeliten vor. Es ist indessen anzuerkennen, daß solchen Vorgängen durch die militärischen Behörden bald ein Ende gemacht wurde, und besonders König Georg von Griechenland, sowie nach dessen schändlicher Ermordung sein Nachfolger Konstantin haben sich ebenso anerkennend wie verheißungsvoll den Juden gegenüber geäußert. Neues, schweres Unheil brachte der Sommer dieses Jahres. Als das erträumte Großreich der Bulgaren im Bruderkriege kläglich zusammenfiel und deren übermütige Scharen aus dem größten Teile Thraziens und Mazedoniens vertrieben wurden, rächten sie sich vor dem Abzüge für ihre Niederlagen grausam an deren andersgläubigen Bewohnern. Mt diesen litten schwer die jüdischen Gemeinden Jstip, Kavalla, Strumitza, Doiran, Drama und besonders Serres. Der Notstand der jüdischen Bevölkerung in den vom Kriege betroffenen Gegenden hat dann zu einer erneuten großartigen Betätigung des jüdischen Opfersinnes und Gemeinsamkeitgefühls Anlaß gegeben, die einigen Trost für das Unglück gewährt, unter dem jene zu leiden hatten. Unter Führung des Hilfsvereins der deutschen Juden schlossen sich die großen jüdischen internationalen Vereinigungen zu gemeinsamem Hilfswerk zusammen, dem

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