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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 267

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Pharaos Erben
Date
1913-01-01
Page
Seite 267 (sequence 13)
Language
German
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267 Aus der einen Flasche wurden vier, und alle vier wurden auf das Wohl Pharaos geleert. „Und wie denken Sie, meine Herren," setzte der Geschichtslehrer fort, „haben die jüdischen Hebammen nach dessen Weisung gehandelt?" „Ohne Zweifel," riefen fast alle zusammen. „Warum sollten sie auch nicht? Siewurdenjadafürköniglichbelohnt." „Da irren Sie, meine Herren, gar sehr. Die Unreinlichkeit ist eine alte jüdische Sitte, und jede Sitte ist den Juden Gesetz. Nach dem Talmud dürfen sie selbst im Angesicht des Todes ihre Sitten nicht verletzen, und auf der Unreinlichkeitsitte basiert ihre ganze Lehre." „Hat denn derTälmud damals schon existiert?" fragte der Provisor. „Ganz noch nicht, aber in einigen Teilen, welche die Sittengesetze und die Vorschriften über die Heiligung des göttlichen Namens enthalten." „Und das alles war aus dem Grabstein vermerkt?" „Nein, diese Mitteilung enthält ein anderer Grabstein. Auf diesem, der vor kurzem erst entdeckt wurde, lesen wir: „Die Juden, welche von jeher einen Staat im Staate bilden und geschlossen für ihre Sonderinteressen eintreten, haben es verstanden, die Verordnung des Pharao zu hintertreiben. Der Oberrabbiner von Gosen ließ nämlich die Hebammen sowie alleJudennach der Synagoge kommen, bestieg dieKanzel, stieß in die Posaune und verhängte den Bann über die Hebammen, so sie nach dem Befehle Pharaos handeln würden. Auf den schüchternen Einwand der Hebammen, die in der Frauenabteilung versammelt waren, Pharao würde die ihnen geschenkten Häuser doch zurückverlangen, riet ihnen der Oberrabbiner, die Häuser sofort an Aegypten gegen Barzahlung zu verkaufen und das erstandene Geld an Offiziere gegen Wucherzinsen zu verleihen." Inzwischen wurde von außen die Tür leise geöffnet, der jüdische Makler schlich auf den Zehen in das Zimmer hinein und stellte sich hinter den Stuhl, auf welchem von Fressendorf saß. Dieser sowohl als auch seine Genossen, die vom Wein und der Erzählung schon etwas benebelt waren, hatten diesen Vorgang nicht bemerkt.

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