Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Das Dreigestirn
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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227 Am 29. Februar wurden die sterblichen Überreste des großen Toten zur letzten Ruhe geleitet. Von nah und fern waren Verehrer, Freunde, Schüler des allbekannten Meisters herbeigeströmt, um ihm die letzte 'Ehre zu erweisen. Um 12 Uhr erfolgte die feierliche Überführung der Leiche in die Synagoge, und an derselben Stelle, von der so oft die wunderbare Stimme des Verewigten zum Preise des Höchsten erklungen, da wurde jetzt die Bahre niedergestellt. Das Gotteshaus war mit den meisten Symbolen der Trauer geschmückt und ernst und trauervoll verharrte auch die Kopf an Kopf gedrängte Gemeinde, die zufammengeströmt war, der Feier beizuwohnen. Dieselbe begann mit dem Gesänge eines von Deutsch komponierten Psalms. Dann ergriff Herr Rabbiner Dr. Knoller das Wort, anknüpfend an den 33. Vers des 104. Psalm, um beredt zu verkünden, was wir besaßen und verloren in dem Manne, dessen Andenken die Feier galt. An den Segen, den der Geistliche Don geweihter Stätte über die Bahre sprach, schloß sich die Zelebrierung der Totenfeier durch Herrn Kantor Manes, doppelt die Herzen ergreifend, weil gerade sie das eigenste Werk des Verstorbenen gewesen und unzählige Male von ihm anderen zum Trost und zur Aufrichtung an gleicher Stelle erklungen war. Dann fetzte sich der von einer unübersehbaren Menge Leidtragender gefolgte Zug nach dem Friedhof in Bewegung, wo Rabbiner Dr. Rosenthal mit beredten Worten das Lebensbild des Verklärten zeichnete. In tiefster Ergriffenheit lauschte die Trauerversammlung dem tiefempfundenen Nachruf und geleitete dann den Sarg zur Gruft. In der Näht der Stätte, wo sein langjähriger Freund, Rabbiner Dr. Joel, zur letzten Ruhe gebettet worden, hatte der Gemeindevorstand auch seine Beisetzung angeordnet, und langsam sank unter Tönen des Chors zur Gruft, was von Deutsch sterblich war. Die Samenkörner, die Moritz Deutsch ausgestreut, werden auch fernerhin edle und reiche Früchte tragen, und der Name eines „Deutsch" wird in Kantorenkreisen stets mit Dankbarkeit und Verehrung genannt werden. 15*